Anthony Bushell
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Unterrichtsforum

Sprachwochenende plus: Deutschlernen in deutschgeführter Lodge

Marianne Eiselt, Kathrin Redlich

Angeregt durch eine aktive German Club Gruppe an der University of New Brunswick und inspiriert durch einen Vortrag auf der CATG in Halifax haben die Autorinnen das erste deutsche Sprachwochenende in den Maritime-Provinzen geplant und im März 2007 in New Brunswick durchgeführt.

Das Wochenende bedurfte einer sehr intensiven vorherigen Planung, die man bei der ersten Durchführung eines solchen Unternehmens nicht unterschätzen sollte. Das erste Problem war die Findung eines geeigneten Termins für die Studenten und Lehrkräfte der Universitäten in New Brunswick und Nova Scotia. Danach stand die Frage des Ortes auf dem Programm und ganz wichtig war dabei die finanzielle Unterstützung des Vorhabens durch Institutionen wie die Atlantic Council of Teachers of German, die University Student Union und $20 Eigenbeteiligung. In Cumberland Bay, etwa eine Stunde östlich von Fredericton, N.B., fanden wir eine rustikale Lodge, deren Besitzer Barbara und Lutz Neumann sind. Das deutsche Ehepaar ist vor einigen Jahren nach Kanada ausgewandert und besitzt ein großes Blockhaus mit Gastwirtschaft und vermietet Holzhütten mit Kochgelegenheit.

Nachdem all dies schließlich geklärt war, hofften wir nur auf gutes Reisewetter, was man zu dieser Jahreszeit auch einplanen musste. So konnten wir unser Wochenende durch einen plötzlichen Schneesturm erst etwas verzögert beginnen. Dennoch ließen wir uns davon nicht beirren. Schließlich war der Arbeitsaufwand schon sehr groß, sodass es ein Absagen einfach nicht gab.

Den Einkauf erledigten wir am Vorabend und waren doch sehr erstaunt, was es hieß, für eine Großfamilie einzukaufen. Wir haben gut kalkuliert und alles reichte. Das war natürlich auch schon eine große Erleichterung.

Ziel des Sprachwochenendes
Nun ist so eine Sprachreise ohne Auslandsaufenthalt an sich schon eine positive Lernsituation, in der man etwaige Sprachhemmungen und Mangel an Sprechgelegenheit überwindet. In einem ungezwungenen Rahmen ohne akademische Benotung traut man sich eher, das anzuwenden, was man an Grundkenntnissen mitbringt. Ziel ist es ja, vorherrschende Einstellungen wie “Bevor ich etwas Falsches sage und mich blamiere, sage ich lieber nichts” bei so einem Sprachwochenende abzubauen. Wenn die Lerner ein Wochenende lang alles von A bis Z in deutscher Sprache regeln müssen, kommt diese Zurückhaltung gar nicht erst auf, weiß Eveline Goodman-Hedtke (Scheller, 2006), die Leiterin von EforP (English for Professionals) aus Erfahrung mit Englischlernern in einem englischgeführten Hotel in Deutschland.

Auch in unserem Fall kamen die DaF-Lerner und Lernerinnen in eine von uns ausgewählte Unterkunft, wo das Hotelbesitzerpaar ausschließlich Deutsch mit ihnen sprechen würde. So “checken” die Lerner auf Deutsch ein, bitten auf Deutsch um einen weiteren Kochtopf und bestellen zusätzliche Getränke auf Deutsch, unterhalten sich mit dem deutschen Personal und hören mal andere deutsche Dialekte. In unserem Fall Sächsisch. Englisch ist an so einem Wochenende natürlich verpönt, “Guten Appetit!” heißt es jetzt immer vor den Mahlzeiten und “Wer ist dran mit Würfeln?” beim Mensch-ärgere-dich-nicht spielen. Nach mindestens sechs gemeinsamen Mahlzeiten und vielen Spielrunden im Laufe eines Wochenendes bleiben diese Floskeln im Kopf. Doch nicht nur um Vokabeln und Redewendungen geht es an diesem Wochenende, die Teilnehmer sollen auch einen authentischen Eindruck von deutschen Gepflogenheiten bekommen.

Wir hatten einen Speiseplan für Samstag und Sonntag aufgestellt, das Essen sollten die Studenten selbst nach einfachen deutschen Rezepten zubereiten, aber Kaffee und Kuchen bei der Ankunft und vor der Abfahrt sollten wir von der Lodge bekommen. Das Kochen nahm einen großen Teil des Wochenendes ein und die Studenten arbeiten sich mit viel Geduld durch die Rezepte zu Bratwurst, Kartoffelsalat, Endiviensalat usw. Ein Student hatte für uns in der Küche der Wirtin Brezeln gebacken. Das Ergebnis konnte sich am Ende wirklich sehen lassen.

Aktivitäten
Bereits während der Anreise zur Lodge kam es zu ersten deutschen Gesprächen im Auto. Kathrin Redlich, die 2006/7 als Fremdsprachenassistentin bei UNB angestellt war, erzählte ihren Mitfahrern von der zur Zeit in Deutschland für Aufregung sorgenden Diskussion über ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen, und schon tauchte ein neues Wort auf, und zwar :“Geschwindigkeitsbegrenzungsschild“, das wir bei der Fahrt gesehen haben. Gerade solche komplexen neuen Wörter lassen sich am besten merken, wenn man damit ein Ereignis verbinden kann und so war es auch eins der ersten Worte, die den Weg in unsere Vokabelbox fanden. Uns diente dazu ein echtes deutsches Postpaket, das mit einem Schlitz versehen wurde.

Die Box wurde den Studenten nach dem Kaffeetrinken und den ersten Aufwärmspielen vorgestellt. Sie war während der ganzen Zeit für alle zugänglich und erfreute sich regen Interesses. Wir stellten Stifte und Karteikarten zur Verfügung, mit deren Hilfe die neuen Wörter verschriftlicht wurden (Seite A: deutsches Wort; Seite B: Übersetzung). Das Wochenende sollte sich so weit wie möglich vom universitären Alltag des Sprachlernens entfernen. Daher erschien es uns besser, die Wörter auf diese Weise zu integrieren. Es gab keine vorgeschriebene Vokabelliste; vielmehr waren wir erstaunt, welche Vielfalt die Box am Ende aufwies: „Koffein, Hütte, Durchfall, Zuschauer, schummeln, kritzeln, kleben, es tut mir Leid“. Es war alles dabei, was die Studenten an diesem Wochenende bewegte. Nach dem sonntäglichen Frühstück waren dann schon alle gespannt auf die Vokabelraterunde, d.h. die neue Vokabel wurden in der ersten Runde zuerst auf Englisch und in der zweiten dann auf Deutsch von uns abwechselnd vorgelesen. Die Studenten antworteten oft fast im Chor, so dass es schwer war, am Ende einen eindeutigen Sieger zu ernennen. Im Grunde waren alle Sieger, da sich die Vokabelbox ausgezahlt hatte. Diese Methode ließe sich auch in kleineren Gruppen mit in den Unterricht integrieren.

Spiele –generell
Die Spiele wurden von allen Teilnehmern mit sehr viel Freude aufgenommen. Leider konnten die zuerst im Freien geplanten Spiele aufgrund der Witterung nur im Haus stattfinden. Dennoch konnten wir alle auch drinnen etwas sportlich aktiv werden und uns beim Eierlaufen und Stuhltanz messen. Die hier sehr ungezwungene Atmosphäre half die letzten Hemmungen vor der deutschen Sprache zu überwinden.

Spaß und Sprachfertigkeit bereitete auch das “Herzblatt”-TV Spiel, das mit authentischen Bekanntschaftsanzeigen aus einer Brandenburgischen Zeitung gespielt wurde (zur Spielanleitung, siehe Eiselt, 2005). Das traditionelle deutsche Brettspiel Mensch-ärgere-dich-nicht war ein vergnügliches Spiel mit 6 Spielern und Austauschpartnerspielern, was sich nach dem Genuss von heißem Glühwein mit viel Lachen bis 1 Uhr nachts von Runde zu Runde zog.

Auswertung
Um Feedback zu bekommen, hatten wir den Teilnehmern am Schluss Gelegenheit gegeben, Kommentare über die Aktivitäten, die Unterkunft, das Essen und die Lernerfahrung abzugeben. Die Studenten schrieben alle auf Deutsch und haben dazu auch lustig illustriert, beispielsweise die riesige, gutmütige und sabbernde Dogge der Wirtsleute. Im Folgenden soll das Feedback auch anderen Planern bei der Ausrichtung eines Sprachwochenendes dienlich sein.

1. Wie hat euch das Wochenende gefallen?
Gut…sehr gut…Ich habe viel Spaß gehabt … es war besser als ich gedacht habe…bravo!....Glühwein! …..Dieses Wochenende war zu kurz, doch es war sehr interessant und ich habe viel gelernt. Es ist wichtig, Deutsch zu üben… Es gefällt mir nicht schlecht, aber ich brauche mehr Draußen-Aktivitäten.

2. Welche Aktivität war am Besten für euer Sprachlernen?
Die Kiste mit den Wörtern und Herzblatt…Brettspielen war am Besten für mein Sprachenlernen…Kiste mit Vokabular…Die Dating Show Herzblatt…Das Brezeln backen war am besten, um mein Deutsch zu verbessern, weil ich mit Frau Neumann gesprochen habe. Sie hat mir viel über das Leben in Deutschland erzählt …

3. Was hat euch nicht so gut gefallen?
Es war zu kurz!...Ich wollte mehr schlafen. Mehr Sprachspiele, bitte!….nichts, alles war gut…Der Eierlauf hat mir nicht so gut gefallen…wenig geschlafen.

4. Hat es euch geschmeckt?
Ja, es schmeckt gut, aber der Kartoffelsalat war “armisch machen”…ja, alles schmeckt gut…Lecker!...Ja, aber es gab zu viel Kartoffeln und so ein Essen gefällt mir nicht. Nächstes Jahr ist vielleicht verschiedenes Essen eine gute Idee…ja, die Nahrung war sehr gut, die Brezeln und die Eier haben natürlich am besten geschmeckt.

5. Wie hat euch die Unterkunft gefallen?
Die Hütten waren nett und das Ehepaar Neumann auch…es war gut. Ich hab keine Beschwerde, es war gemütlich…gemütlich, aber das Wasser hat komisch gerochen…Die Unterkunft war toll…Die Unterkunft war sehr schön und bequem. Wir sollen hier wieder bleiben…

6. Welche Anregungen für ein weiteres Wochenende würdet ihr geben?
Vielleicht haben wir mehr Zeit… vielleicht mehrere Tage – ein Wochenende war viel zu kurz…Macht es mindestens drei Tage lang (2 Nächte, 3 Tage)…Ihr müsst einen Weg finden, dass mehr Leute mitkommen…Ich glaube, wir brauchen mehr Leute, aber eine kleine Gruppe ist freundlicher.

7. Werdet ihr anderen von unserem Ausflug berichten?
Klar! Alle meine Freunde werden darüber hören…Ja, natürlich…Natürlich!...Ja, natürlich!...Ich erzähle niemandem von unserem Ausflug.

8. Versucht das Wochenende in einem Satz zusammen zu fassen!
Das Wochenende war eine “Spaßlernenzeit”…Es macht mir Spaß, aber ich mache mir Sorgen über meine andere Schularbeit. Es ist sehr spät im Semester…Es war ein Wochenende, wo alle locker waren, freundlich, unbedingt gut…Mensch ärgere dich nicht!...Sehen Sie Nummer eins: Dieses Wochenende war zu kurz, doch es war sehr interessant und ich habe viel gelernt. Es ist wichtig, Deutsch zu üben…

9. Zu welchem Zeitpunkt im Semester passt es euch am Besten?
Das Frühsemester ist immer am besten für Reisen und Sprachwochenenden. Im Mittel-Semester gibt es viel Prüfungen, am Ende gibt es zu viel Laborberichte und Projekte… September oder Januar…im Januar oder Februar, früher, viel früher…Januar! Nicht so viele Arbeiten usw….März…

10. Weitere Kommentare:
I look forward to next year!... kein Kommentar…kein Kommentar…May be more activities like this immersion weekend should be organized, so that we can practise our speaking German in a fun way….ich liebe Kathrin und Marianne.

Nach dem Feedbackbogen wussten wir, dass es beim nächsten Mal etwas weniger Kartoffelgerichte sein sollten! Dennoch war für jeden Geschmack etwas dabei. Rückblickend lässt sich sagen, dass sich alles doch sehr gelohnt hat. Wir waren eine kleine aber sehr nette Gruppe, in der es verschiedene Sprachlevel gab, die von einander profitieren konnten. Es gab in den Anfängerkursen viele Interessierte, die leider oftmals aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen konnten. Steht der Termin jedoch schon zu Beginn des Studienjahres fest, werden mit Sicherheit auch die Teilnehmerzahlen höher sein. Hierbei wäre es vielleicht auch zu überlegen, das Wochenende bereits im Herbstsemester stattfinden zu lassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wochenende für alle Beteiligten ein einmaliges und gelungenes Lernereignis war. Es wäre schön, wenn es ein integrierter Bestandteil des Sprachprogramms würde. Die Auswirkungen so eines Wochenendes mag „im formellen Klassenunterricht später einen enormen ‘didaktischen Mehrwert’ beitragen”, da sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen “sprachlich-sozial zumindest teilweise freigeschwommen haben” (Schmidt, 2002)

Benutzte Literatur:
Eiselt, Marianne. Presse im DaF-Unterricht. Forum Deutsch. 43-47. 2005.
Scheller, Yvonne. In der Fremdsprache träumen. Welt Online. 28. 1. 2006
Moser, Beverly, and Stefanie Ohnesorg. A Guide to Language Immersion Weekends for Undergraduates, Cherry Hill, NJ: American Association of Teachers of German, 1997.
Schmidt, Josef. Schulreise auf Akademisch: Das McGill-Deutsch-Studien- und Sprach-wochenende in Mont St. Hilaire. Forum Deutsch, 2002.