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Unterrichtsforum

Kannst du Deutsch sprechen? Kommunikationsorientierter DaF-Unterricht

Klaudia Linowska & Jördis Weilandt

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Einleitung

Ziel dieses Beitrages ist die Darstellung und Vorstellung verschiedener erfolgreich eingesetzter Unterrichtsmodule, die den kommunikationsorientierten DaF-Unterricht fördern und unterstützen. Der Beitrag leitet sich aus einem von den Autoren auf der CATG Tagung 2012 gehaltenen Workshop ab. Die Unterrichtsmodule und Ideen flossen aus einer vom Goethe-Institut Toronto initiierten Weiterbildung für Mitglieder des Trainernetzwerkes Kanadas im Sommer 2012. Herman Funk stellte dort in einem Seminar Ergebnisse aus der Gehirnforschung und Spracherwerbsforschung vor, die einen Bezug zum Erlernen der Sprechfähigkeit aufwiesen. Ein wichtiges Fazit des Seminars war der Ratschlag an Lehrende, ihre Rolle gegebenenfalls zu überdenken, wenn sie gewährleisten wollen, dass sich der Sprechanteil ihrer Lernenden im Unterricht sinnvoll erhöht.

 

            Die hier vorgestellten sieben Übungsformen scheint uns für die Maximierung des Sprechanteils der Lerner besonders geeignet. Wir haben uns bei der Ausarbei­tung der Übungen an die Kriterien gehalten, die Hermann Funk in seinem zweitä­gigen Seminar als Charakteristika gelungener Sprechaktivitäten vorgab:

 

  • die Lernenden sprechen viel
  • die Beteiligung ist hoch und ausgeglichen
  • die Sprechmotivation ist hoch
  • die Sprache ist akzeptabel und verständlich

 

Wir setzten diese sieben Übungsformen mit Erfolg in unseren eigenen Kursen ein. Die Arbeitsblätter sind leicht für den Unterricht auf anderen Stufen oder in anderen Kontexten modifizierbar. Die Formatvorlagen können nach Ihren Wünschen und Anforderungen abgeändert und im Unterricht eingesetzt werden.

 

 

 

 

Die Übungen werden den Aspekten gerecht, die man bei der Planung von Automati­sierungsübungen für das Sprechen bedenken sollte, um das Lernen möglichst ein­dringlich und effektiv zu gestalten:

 

  • phonologische Schleifen legen
  • mit Emotionen arbeiten
  • durch Wiederholungen Gelerntes fest verankern
  • die kurze Aufmerksamkeitsspanne des Gehirns bedenken
  • Bewegung integrieren
  • Zuhören trainieren
  • Verbindungen zu Gelerntem knüpfen
  • ausreichend Gelegenheit zum Sprechen bieten
  • Kognition durch Schnelligkeit ausschalten, um Automatisierung zu ermögli­chen

1. Kugellager

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Die Übung „Kugellager“ eignet sich hervorragend als Automatisierungsübung für das Training der Fertigkeit Sprechen. Aufgrund der Schnelligkeit der Partnerwechsel arbeitet man an der Flüssigkeit der Aussagen. Alle aufgestellten Personen sind direkt mit beteiligt. Fragen, die einen Ich-Bezug erlauben und etwas über den Part­ner erfahren lassen, tragen zur hohen Motivation bei. Die Sprache wird durch die Fragen selbst eingegrenzt. Die Lehrkraft gibt die Fragen und den Zeitrahmen vor. Diese Übung kann auf viele sprachliche Kontexte übertragen werden und lässt sich auch schon ab der ersten Stunde auf A1 Niveau einsetzen, in dem man z.B. folgende Fragen stellt.

 

  1. Hallo, wie geht´s? (Wechsel)
  2. Wie heißt du? (Wechsel)
  3. Woher kommst du? (Wechsel)
  4. Wo wohnst du? …

 

Übergang zu den Lernstationen

An dieser Stelle haben wir die Anwesenden kurz in den Ablauf der folgenden Lern­stationen eingewiesen. Aus insgesamt 6 Stationen konnte jede Gruppe 4 auswählen, die sie dann zusammen nacheinander bearbeitet hat. An jeder Station blieb den Gruppen jeweils 5 Minuten Zeit. Die Wechsel erfolgen nach einem Signalton.

 

Auf die Arbeitsanweisungen der einzelnen Übungen und die Intention ihres Einsatzes wird in den folgenden Folien genauer eingegangen.

 

Reflexion

Nach der Bearbeitung von 4 Stationen gingen alle Personen zu ihren Plätzen zurück und haben sich nach kurzer Einweisung mit dem Partner zu der rechten Seite über die beiden auf der Folie befindlichen Fragen ausgetauscht, woraufhin die Work­shopleiterinnen die Reflexionsphase mit einigen Worten zusammengefasst haben.

 

2. Rasender Reporter

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Arbeitsanweisung

  1. Ordnen Sie die Verkehrsmittel den Fotos zu.
  2. Fragen Sie 5 Personen im Kurs. Notieren Sie die Antworten.

Intention des Einsatzes dieser Übung

Das Gelernte wird zum Teil der Lerner. Der Lernstoff hängt mit dem „Vertrauten“ zusammen und wird dadurch personalisiert – die Lerner bekommen die Möglichkeit, über sich selbst zu reden: ihre Wünsche, Absichten, Vorlieben werden zum Thema gemacht. Die Ant­worten sind persönlich, dadurch wird die Motivation hergestellt.

 

3. Autogrammjäger

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Arbeitsanweisung

Gehen Sie im Klassenzimmer spazieren. Finden Sie Partner, die "Ja" auf die Fragen sagen! Sagen Sie selbst auch "Ja", dann unterschreiben Sie bitte auf dem Papier des Partners.

 

Intention des Einsatzes dieser Übung

Im Verlauf der Übungen werden keine Korrekturen gemacht und Fehler zugelassen. Die Fehleranlässe werden insgesamt durch die Art der geschlossenen Fragen mini­miert. So stellt diese Übung aufgrund ihrer geringen sprachlichen Varianz eine sehr stark gesteuerte Übungsform dar. Nichtsdestotrotz werden auch hier alle Personen direkt beteiligt und können sich mit ihrem persönlichen Hintergrund mit einbringen. Die Motivation ist von daher auch hier hoch.

 

4. Shadowing

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Arbeitsanweisung

Arbeiten Sie zu zweit. Lesen Sie den Text so, als würden Sie ihn erzählen. Lesen Sie den ersten Satz laut. Ihr/e Partner/in hört zu und reagiert dann. Wie ein Schatten wiederholt er/sie etwas leiser, was Sie im ersten Satz gesagt haben. Folgen Sie dem Beispiel und lesen Sie Satz für Satz. Geben Sie Ihrem Partner Zeit zu reagieren.

 

Intention des Einsatzes dieser Übung

Weil Sprachbeispiele zu den Regeln führen, wird in dieser Übung ohne einen genannten Bezug zu grammatischen Strukturen das Sprechen geübt. Die Schüler erschließen die Bedeutung des Gesagten aus dem Kontext. aber nicht umgekehrt, die Schüler können die Bedeutung aus dem Kontext erschließen. Die Grammatik wird hier bewusst nicht angesprochen, weil eine Systematisierung beim Sprechen wenig hilfreich ist.

 

Das Sprechen und das Hören phonetischer Muster sind in dieser Aktivität von besonderer Wichtigkeit, denn das Training beider ermöglicht es dem Lernenden, im Hirn neue Pfade für bestimmte Phrasen und Sätze zu treten, die ähnliche sprach­liche Äußerungen zu einem späteren Zeitpunkt erleichtern und somit flüssiger machen.

 

5. Rücken–an-Rücken-Diktat

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Arbeitsanweisung

Sie und Ihr Partner sitzen mit ihrem Rücken zueinander. Sie und Ihr Partner lesen laut 5 kleine Texte, in dem einige Wörter fehlen. Hören Sie gut zu, wenn Ihr Partner die Wörter liest, die nicht in Ihrem Text stehen und notieren Sie diese dann auf Ihrem Papier.

 

Intention des Einsatzes dieser Übung

Wenn Lerninhalte mit Emotionen behaftet sind, erhöht das die Chancen das sie vom Lerner behalten werden. Dabei sind besonders positive oder negative Emotionen mitunter noch deutlich wirkungsvoller. Denn wer vergisst schon etwas, das beson­ders toll oder schrecklich war?

 

Geschichten, die einen Bezug zur Welt der Lernenden haben werden in diesem Zusammenhang durchaus besser behalten als eine nach gewissen Kriterien geord­nete Fakten.

 

Die Texte der Übung im Workshop haben misslungene Urlaubserfahrungen zum Thema. Sie lassen sich aber jeweils sehr leicht auf den Unterricht in anderen Kon­texten oder auch das Aufgreifen anderer Unterrichtsthemen einsetzen.

 

Auch bei dieser Übung ist jede/r direkt mit einbezogen und die Motivation von daher sehr hoch. Fehler werden durch die geschlossene Art der Übungsform von vornhe­rein vermieden.

 

6. Lesen mit Stopp-Uhr

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Arbeitsanweisung

Wer kann am schnellsten lesen? Lesen Sie den Text laut, deutlich und schnell! Eine Person in der Gruppe beginnt. Die anderen stoppen die Zeit. Notieren Sie dann, wie schnell die Personen gelesen haben

 

Intention des Einsatzes dieser Übung

Mit dieser Übungen wird den Lernenden die Möglichkeit gegeben, viel und schnell zu sprechen. Der Wettkampfgedanke besonders schnell zu lesen, ermöglicht eine Pro­duktion ohne großes Zögern oder Überlegen, sodass Strukturen ohne Analyse automatisiert werden können. Das trainiert die Mühelosigkeit beim Sprechen. Das Sprechen (als lautes Sprechen, Murmeln oder Deklamieren unterstützt das Memori­sieren.

 

Das Neues wiederholt geübt werden muss, um es zu behalten, ist es ratsam, den Text mehrfach lesen zu lassen und vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal aufzugreifen.

 

7. Wimmelkarten

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Arbeitsanweisung

Jeder im Kurs zieht eine Karte. Gehen Sie im Klassenzimmer spazieren und stellen Sie einem Partner die Frage auf Ihrer Karte. Antworten Sie dem Partner auch. Dann tauschen Sie die Karten und suchen einen neuen Partner. Sprechen Sie mit jeder Person im Kurs mindestens ein Mal!

 

Intention des Einsatzes dieser Übung

Wie alle anderen genannten Übungen auch (mit Ausnahme des Stopp-Uhr Lesens) sind die Wimmelkarten ein sehr gutes Hilfsmittel, die Interaktion und Kommunikation zwischen allen Lernenden anzuregen. Alle sind direkt beteiligt und können sich durch ihre persönlichen Antworten mit einbringen. Diese Übung verbindet das sprachliche Handeln (eine Frage stellen und auf eine Frage antworten) mit Bewe­gung, denn die Lernenden wechseln mit jedem neuen Frageschnipsel ihre Partner und haben so Gelegenheit, sich mit vielen verschiedenen Personen auszutauschen.

 

Die geschlossenen Fragen im Workshop automatisieren Perfekt-Strukturen, ohne dabei auf die Grammatik einzugehen. Fehler werden durch die geschlossenen Fragen minimiert.

 

Reflexion und Feedback

Mit dem Partner auf der rechten Seite tauschten sich die Anwesenden kurz zu den folgenden Fragen aus. Im Anschluss daran beendeten Klaudia und ich den Work­shop mit einer kurzen Zusammenfassung der Erfahrungen und der Bitte an alle, ihren Eindruck auf einer Zielscheibe mit drei Punkten festzuhalten. Dies gab uns Aufschluss über die Zufriedenheit der Teilnehmer mit:

 

  • unserer Workshop-Methodik
  • der praktischen Anwendbarkeit der Übungen für den eigenen Unterricht
  • der Auswahl der Aktivitäten.