Anthony Bushell
Today German’s own position as a second language represents something of an enigma. As the largest l...
Download (PDF - 123 kb)   Some fundamentals for teaching and learning German[1] ...
[1] Stephan Jaeger, University of Manitoba Download (PDF - 185kb) Einführung: Interdi...
Das Thema Nationalsozialismus ist Bestandteil des landeskundlichen Deutsch­unterrichts und findet...
Einleitung Ziel dieses Beitrages ist die Darstellung und Vorstellung verschiedener erfolgreic...

Unterrichtsforum

Filmsprache muss keine Fremdsprache sein!

Krisztián Fonyódi
download (23 kb)

In den 80er und 90er Jahren gab es viele Modellprojekte, in denen versucht wurde, Filmproduktion in den Deutschunterricht zu integrieren. Die meisten Projekte scheiterten aber daran, dass die Technik noch viel zu umständlich war. Die Kameras wogen zum Teil bis zu 5-6 Kilo und für den Schnitt musste man über ein richtiges Studio verfügen können. Heute sieht die Situation ganz anders aus. Wir haben Videohandys, winzige Digitalkameras und Webcameras in unseren Computern. Daher ist nichts einfacher, als einen kleinen Film zu drehen und ihn dann mit Hilfe von Internetplattformen wie z.B. youtube oder den Internetcommunitys facebook und myspace mit anderen zu teilen.

In den 80er und 90er Jahren gab es viele Modellprojekte, in denen versucht wurde, Filmproduktion in den Deutschunterricht zu integrieren. Die meisten Projekte scheiterten aber daran, dass die Technik noch viel zu umständlich war. Die Kameras wogen zum Teil bis zu 5-6 Kilo und für den Schnitt musste man über ein richtiges Studio verfügen können. Heute sieht die Situation ganz anders aus. Wir haben Videohandys, winzige Digitalkameras und Webcameras in unseren Computern. Daher ist nichts einfacher, als einen kleinen Film zu drehen und ihn dann mit Hilfe von Internetplattformen wie z.B. youtube oder den Internetcommunitys facebook und myspace mit anderen zu teilen. Da die Kommunikation mit Bildern ein wichtiger Teil unseres Lebens geworden ist, liegt es auf der Hand, dass wir wieder versuchen die Kommunikation mit Bildern in den Fremdsprachenunterricht zu integrieren. In meinem Artikel werde ich die Arbeit meines DaF-Filmseminars praxisnah Schritt für Schritt vorstellen und zeigen, dass die produktive Arbeit mit dem Medium Film heutzutage viel einfacher geworden ist.
Seit mehreren Jahren leite ich mit dem Cutter und Filmproduzenten Fredy Weber das DaF-Filmseminar im Rahmen des Internationalen Ferienkurses der Heidelberger Universität. Unser Kurs ersetzt nicht den traditionellen Deutschunterricht, sondern wird als zusätzliches Kommunikationsmodul angeboten. Ziel des Seminars ist es, bis zum Ende des Ferienkurses, das heißt in vier Wochen, einen 10 bis 15 minütigen Kurzfilm zu produzieren, der zum Abschlussfest allen Teilnehmer des Ferienkurses vorgeführt werden sollte. Unser Seminar ist hauptsächlich für Teilnehmer mit fundierten Deutschkenntnissen gedacht, aber auch Anfänger können in den Kurs integriert werden. Hinsichtlich des Filmemachens gibt es für den Kurs keine Voraussetzungen. Jeder ist willkommen, da wir keinen Kunstfilm drehen, sondern mit Bildern kommunizieren wollen. Die ideale Teilnehmerzahl liegt wegen der praxisorientierten Arbeitsstruktur des Kurses zwischen 12-15.

Am Anfang eines DaF-Filmseminars müssen die Teilnehmer durch die Vermittlung bestimmter Teilkompetenzen der Filmproduktion vorentlastet werden. Dabei konzentrieren wir uns auf drei Themenbereiche: 1. Filmfachspache, 2. die wichtigsten Schritte einer Filmproduktion und 3. die filmische Erzählsprache.

Bei der sprachlichen Vorentlastung werden die wichtigen Fachbegriffe einer Filmproduktion wie zum Beispiel Drehbuch, Einstellung, Totale oder Schnitt geklärt und eine Vokabelliste zusammengestellt werden, um die Kommunikation des Kurses zu fundieren.

Nach diesem Schritt besprechen wir die klassischen Arbeitsschritte einer Filmproduktion von der Themenfindung über Dreharbeiten bis zum Schnitt, damit die Lernenden einen Überblick bekommen, wie dann auch ihre Kurzfilmproduktion ablaufen wird. Das dritte Thema der Vorentlastung, die Filmsprache, besprechen wir aus der Perspektive der praktischen Umsetzbarkeit. Hier ist es wichtig, die Teilnehmer darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alle filmischen Erzählformen im Rahmen eines DaF-Filmseminars effektiv einzusetzen sind. Eine Filmsprache, die zu viel Inszenierung, aufwendige Requisiten oder komplizierte Logistik verlangt, sollte möglichst vermieden werden. Anstatt dieser sollten die Teilnehmer ihre Geschichten vorwiegend mit Hilfe von Interviews, Dokumentationen, mit sorgfältig ausgewählten Schnittbildern und Kommentaren aus dem Off erzählen. Dank dieser Schritte der Vorentlastung konnten wir in unserem Heidelberger Projekt von dem Vorschlag eines Studenten, einen Horrorfilm im Heidelberger Schloß zu drehen, abkommen.

Nach der Vorentlastung folgt die Arbeit unseres Seminars, die klassischen Arbeitsschritte einer Spielfilmproduktion: Themenfindung, Drehbuchschreiben und Erstellung eines Drehplans, dann Dreharbeiten und Schnitt. Zuerst muss das Thema des Films gefunden werden. Da die Teilnehmer eines Deutschkurses neben der deutschen Sprache auch an der deutschen Kultur interessiert sind, eignen sich kulturspezifische Themen besonders gut für ein DaF-Filmseminar. Die Beantwortung der Fragen “Was ist typisch deutsch?“ oder spezifischer gestellt “Wie leben die Jugendlichen in Deutschland?“ kann zum Beispiel das Thema eines Films sein. Natürlich kann man den Arbeitsschritt der Themenfindung auch mit Emotionen in Angriff nehmen und einen Film über Liebe, Freundschaft oder Hass drehen. Unsere Heidelberger Gruppe wählte zuerst das Thema “Liebe” als Ausgangspunkt ihres Filmes, das weiter spezifiziert werden sollte. Schließlich einigten sich die Teilnehmer aufgrund eines selbst erfundenen Wortspiels: Ferienkurs –Ferienkuss einen Film über das Küssen zu drehen.
In der darauf folgenden Arbeitsphase wird das gefundene Thema mit konkreten Inhalten gefüllt und dazu eine geeignete Filmsprache gefunden. Unsere Teilnehmer wollten das Thema Küssen nicht nur mit Interviews, sondern auch durch die Einbeziehung einer literarischen Quelle erfassen. Deshalb griffen sie auf den Märchenklassiker Dornröschen von den Gebrüdern Grimm zurück.

Wie kommt man jedoch von den vielen Ideen zum Drehbuch? Um sich nicht in Einzelheiten zu verlieren, ist es ratsam, die Phase des Drehbuchschreibens in zwei Teile aufzuteilen. Zuerst sollen die Teilnehmer, ähnlich wie bei einer Hausarbeit, ein Exposé schreiben, in dem sie die Handlung und Ziele des Filmes darstellen, und erst dann die konkreten Szenen ausarbeiten. Im Unterricht sollen Ideen zu jeder Szene gesammelt und dann schriftlich ausformuliert werden In unserem Heidelberger Projekt entstand zum Schluss ein Drehbuch über Liebe und Dornröschen, in dem Fiktion und Realität vermischt wurden und auch die Multikulturalität eine wesentliche Rolle spielte.

Im letzten Schritt vor den Dreharbeiten muss ein Drehplan gemacht werden. Hier wird die Reihenfolge der Dreharbeiten festgelegt und die verschiedenen Rollen in der Produktion werden verteilt. Bei der Arbeitsteilung sollte berücksichtigt werden, dass die einzelnen Tätigkeiten während der Dreharbeiten sprachlich unterschiedlich komplex sind. Während Regie, Moderation und Interviewführung gute Deutschkenntnisse erfordern, können Aufgaben wie Kameraführung, oder Produktionsleitung auch von Lernenden aus der Grundstufe integriert werden.

Nun sind wir ans Ende der sogenannten Vorproduktionsphase des Filmes gelangt. Das Endprodukt der Drehvorbereitung, die neben den Diskussionen hauptsächlich aus intensiver Textproduktion besteht, ist ein vollständiges Storybook, das sowohl genaue Szenenbeschreibungen als auch produktionstechnische Hinweise enthält. Idealerweise reichen die Teilnehmer vor dem Shooting das Storybook beim Kursleiter ein, damit er es sprachlich und inhaltlich korrigiert und es eventuell als eigenständigen Teil der Gesamtproduktion bewertet.

Für die Dreharbeiten wird das Seminar in Kleingruppen von 4-5 Personen aufgeteilt. Die einzelnen Gruppen arbeiten voneinander unabhängig und drehen aufgrund des Drehplans bestimmte Teile des Films. In unserem Filmprojekt bildeten wir drei Dreh-Teams und führten die Dreharbeiten aufgrund einer thematischen Gliederung durch. Das heißt, dass eine Gruppe die Interviews, eine andere die Märchenerzählung und eine dritte Gruppe die inszenierten Szenen filmte. Vom technischen Aufwand her hielten wir die Dreharbeiten so weit wie möglich vereinfacht und verwendeten nur kleine handliche Digitalkameras und Handmikrophone. Zusätzliche Technik wie zum Beispiel Stative oder Strahler hätte den Produktionsablauf nur verlangsamt und die Fehlerquellen vervielfacht.

Nach den Dreharbeiten sollen die einzelnen Teams wieder zusammengeführt werden, um das gedrehte Material gemeinsam zu sichten und in einer Gruppendiskussion auszuwerten. In diesem Arbeitsschritt kann eine rege Diskussion entstehen, da jetzt die während des Drehbuchschreibens so schnell und leicht ausgesprochenen Filmideen den konkret aufgenommenen Bildern gegenüber stehen. Die Diskussion über das gedrehte Material sollte jedoch in die Richtung des Schnitts gelenkt werden. Das Ziel ist hier, einen möglichst genauen Schnittplan zu erstellen, in dem neben der verwendeten Musik auch die Kommentare aus dem Off festgelegt sind.

In der letzten Arbeitsphase, in der sogenannten Postproduktion, wird der Film geschnitten und erhält dadurch seine endgültige Form. Um Kurzfilme zu schneiden, braucht man heutzutage nur einen leistungsstarken Laptop mit etwas mehr Speicherkapazität. Die Schnittprogramme: Windows Movie Maker für PC und iMovie für Mac sind heutzutage auf den Computern vorinstalliert und die professionellen Programme wie Adobe Premiere Pro (PC) oder Final Cut Pro (Mac) kann man für 200-300 $ erwerben. Alle genannten Schnittprogramme sind leicht zu bedienen und die meisten Teilnehmer lernen in einer Stunde, mit der Schnitttechnik effektiv umzugehen. Der Schnitt sollte jedoch von einer ausgewählten kleineren Gruppe durchgeführt werden, sonst können unendliche Diskussionen entstehen, die den Zeitrahmen des Seminars sprengen würden. Bei unserer Produktion haben wir für den Schnitt fünf Teilnehmer ausgewählt, die aufgrund des Schnittplans in 8 Stunden den Film Kennst du Dornröschen? editiert haben.

Es wird oft die Frage gestellt, wie man solche Filmprojekte im Rahmen des DaF-unterrichts benoten kann. Zwar handelt es sich hier um ein Kommunikationsmodul, das den regulären Unterricht ergänzen soll, aber eine Bewertung, die die unterschiedlichen Leistungen der Teilnehmer in den verschiedenen Phasen der Produktion wiederspiegelt, ist durchaus möglich. Da der Film im Rahmen des DaF-Unterrichts und nicht an der Filmakademie entsteht, ist es wichtig, nicht nur das Endprodukt zu benoten. Der schriftliche Teil, also das fertige Drehbuch und der praktische Teil, also der Film, sind äquivalent zu bewerten. Das Schema eines möglichen Bewertungssystems ist aus der folgenden Tabelle zu entnehmen:


Storybook (50 %):  
Inhalt und Struktur:
Sprache (Stil, Grammatik):
Originalität:
20%
20%
10%
   
Film (50%):  
Inhaltliche Umsetzung des Drehbuchs:
Sprachkompetenz:
Kreative Bildsprache:
20%
20%
10%


Selbstverständlich ist die Arbeit mit fiktionalen Vorlagen wie in Kennst du Dornröschen? nicht der einzige Weg, einen Film im Rahmen des DaF-Unterrichts zu drehen. Man kann auch mit Interviews oder Schnittbildern alleine arbeiten. In diesem Fall kann man die Rolle der zeitaufwendigen szenischen Inszenierungen minimieren und mehr auf die möglichst genaue Abbildung der Realität und sich auf die Gestaltung der Kommunikationssituationen konzentrieren. Als Beispiel einer solchen Produktion sei hier das Projekt: Liebe auf den ersten Blick zu erwähnen. In diesem Beitrag widmeten sich die Lernenden wiederum dem Thema der Liebe zu und folgten bei der Umsetzung dem Modell einer populären Fernsehshow aus Italien im Reality-TV-Stil.

Ich habe in meinem Artikel ein etwas komplexeres Film-Projekt vorgestellt, dessen Produktionszeit sich auf mehrere Wochen erstreckt, und das fundierte Deutschkenntnisse voraussetzt. DaF-Filmprojekte sind aber auch auf der Grundstufe und in engeren Zeitrahmen realisierbar. Im Rahmen eines eintägigen Workshops am Goethe-Institut Montréal realisierten wir mit Schülern einen Videobrief. In ihrem Film erzählen sie über sich selbst, über ihre Stadt, über ihre Erfahrungem im Projekt ‚Schulen Partner der Zukunft’ und schießlich stellen sie Fragen an eine andere Schulklasse in Oakville bei Toronto. Diese Schüler sollen dann einen Antwort-Videobrief drehen.