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Unterrichtsforum

Familienforschung und Lokalgeschichte: Oral History im kanadischen Deutschunterricht

Alexander Freund
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Ein zentrales Anliegen der Geschichtsdidaktik an Schulen und Hochschulen ist es, Schüler und Schülerinnen aktiv in den Unterricht einzubeziehen, um so das Lernen zu verbessern. Enge Vorgaben und überfüllte Lehrpläne schränken zwar den Spielraum der Unterrichtenden stark ein, doch trotz dieser Probleme sollen die folgenden Vorschläge Lehrerinnen und Lehrern helfen, aktives Lernen im Unterricht zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht die Projektarbeit, die die Schülerinnen und Schüler von der Schule in das weitere Lebensumfeld (Stadtteil, Gemeinde, weitere Familie) hinausbringt. „Dadurch wird das im Projekt bearbeitete Problem in seinem konkreten Lebenszusammenhang direkt erfahrbar und kann ‚vor Ort’ analysiert werden.“[1]

Insbesondere wird vorgeschlagen, mit der Methode der Zeitzeugenbefragung bzw. Oral History sowie mit Audio- und Videorekordern und Fotokameras die eigene Familien- und Lokalgeschichte zu erforschen. Projekte können sich über eine Woche, aber auch über ein Schuljahr erstrecken. Oral History vermittelt viele Fähigkeiten. Neben sozialen Fähigkeiten (Geduld, Einfühlungsvermögen, aktives Zuhören, Respekt), die im Umgang mit Interviewpartnern unumgänglich sind, wird auch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit in der Gruppe gefördert. Sprachfähigkeiten werden besonders gefördert: Im Vorfeld des Interviews wird geübt, Fragen zu formulieren, schriftliche Quellen zu lesen und zusammenzufassen; während des Interviews wird besonders das aufmerksame Zuhören und spontane Nachfragen geübt; nach dem Interview verlangt das Transkribieren, das gesprochene Wort ins Schriftliche zu übersetzen, d.h. mit Hilfe der Grammatik festzulegen, wann ein Satz beendet ist, wann ein neuer Absatz beginnt, wann eher ein Komma als ein Semikolon benötigt wird, ob die Sprache eher als Prosa oder als Poesie fixiert wird. Zudem muss aus Fremdsprachen und Dialekten übersetzt werden.

Diese Unterrichtsvorschläge wurden für Deutschlehrende in Manitoba entwickelt, wo Deutschlernende häufig einen deutschsprachigen Familienhintergrund haben, seien es mennonitische or hutterische Kinder und Jugendliche oder Nachfahren anderer deutschsprachiger Einwanderer. Dennoch können die Vorschläge auch für Projekte in anderen Regionen des Landes benutzt werden. Sie sind zudem, in jeweils angepasster Form, auf alle Klassenstufen anwendbar. Lehrer und Lehrerinnen können die Struktur dieser Vorschläge als Projektstruktur für den Unterricht benutzen. Das heisst, für die Arbeit im Klassenverband wird folgende Vorgehensweise in zehn Schritten vorgeschlagen.

Schritt 1: Einführung in das Projekt
Das Projekt kann auf mehrere Arten eingeführt werden, z.B. durch eine Diskussion verschiedener Fragen: „Welche Spiele haben deine Groβeltern als Kinder gespielt?“[2], „Woher kommt Deine Familie?“, „Was wisst ihr über den Schlachter in der Innenstadt?“[3]. Ältere Schülerinnen und Studierende können auch an abstraktere Fragen herangeführt werden, z.B. „Was ist Familien- und Lokalgeschichte?“, „Wozu braucht man Geschichte?“.

Lehrer sollten dabei versuchen, Schülern zu helfen, die eigene Biographie mit der „groβen Weltgeschichte“ zu verbinden. Die Schülerinnen sollten sich fragen, inwiefern eigene Erfahrungen denen anderer Menschen zu anderen Zeiten und in anderen Regionen bzw. Ländern gleichen oder sich von diesen unterscheiden. Kinder von Spätaussiedlern, die im vergangen Jahrzehnt vermehrt nach Manitoba eingewandert sind, sollten sich z.B. fragen, inwiefern die eigene Biographie mit dem Ende des Kalten Kriegs zusammenhängt. Andere Schülerinnen können sich fragen, inwiefern ihre eigene Biographie in die kanadische Einwanderungsgeschichte passt. Diese Verknüpfung von Biographie und groβer Geschichte kann mit Hilfe verschiedener Mittel erreicht werden, z.B. dem Erstellen von Zeitleisten, auf der biographische Daten (z.B. der Geburtstag) mit Daten der Weltgeschichte abgeglichen werden. Die gegenseitige Befragung in Partnerarbeit kann hier besonders hilfreich sein, denn sie führt direkt auf die Methode der Oral History hin. Kinder können sich beispielsweise zu ihrem Lieblingsspielzeug befragen und erkunden, wo es hergestellt wurde und ob Kinder in anderen Ländern oder ob ihre Groβeltern ähnliches Spielzeug haben bzw. hatten. Jugendliche und junge Erwachsene können sich zu ihrem Migrationshintergrund befragen und erkunden, wie die eigene biographische Erfahrung in die Geschichte von Migration und Flucht passt.

Schritt 2: Einführung in die Methodik: Zeitzeugeninterviews (Oral History)
Für die Erforschung von Familien- und Lokalgeschichte eignet sich besonders gut die Methode der Oral History, d. h. der Zeitzeugenbefragung. Das haben die Schüler und Studierenden nun im vorigen Schritt bereits geübt, als sie sich gegenseitig befragten.

Bei einem ausführlichen Projekt kann archivarische Arbeit hinzugezogen werden. So kann z.B. der Archivar vom Orts- oder Lokalarchiv gebeten werden, in die Klasse zu kommen oder es kann ein Besuch im Archiv vereinbart werden.

Doch nun zur Zeitzeugenbefragung: Was ist Oral History? Oral History (mündlich erfragte Geschichte oder Zeitzeugenbefragung) bedeutet „Geschichte machen“: Menschen werden über ihr Leben, ihre Erlebnisse und Erfahrungen, ihre Kindheit und Jugend, ihren Beruf und ihre Familie befragt. Jeder Mensch ist ein Zeuge seiner Zeit, also ein Zeitzeuge, und jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen – wobei einige die Geschichten spannender erzählen können als andere. Ob die Lebenserfahrungen wichtig für die Geschichte sind, hängt nicht von den Erfahrugen als solches ab, sondern von der Fragestellung. Man muss kein Zeuge oder gar Teilnehmer der „groβen Ereignisse“ sein, um Zeitzeuge zu sein. Man muss auch keine „wichtige Persönlichkeit“ sein. Wenn wir etwas über unseren Heimatort erfahren wollen, kann uns ein Premierminister dabei nicht helfen, wohl aber die Bürgermeisterin, der Dorfälteste oder die ortsansässigen Schneider und Klempner, aber selbstverständlich auch die Eltern und Groβeltern. Werden Interviews mit Zeitzeugen auf Ton- oder Bildträger aufgezeichnet und in Archiven deponiert, werden sie damit anderen Forschern zugänglich gemacht. In zehn oder fünfzig Jahren werden solche Dokumente von unschätzbarem Wert sein. Das Projekt wird also nicht für den Papierkorb produziert, was bei den Schülern die Ernsthaftigkeit, mit der sie an das Projekt herangehen, nur erhöht.

Wer kann Oral History machen? Zwar gibt es Unterschiede zwischen „guten“ und „schlechten“ Interviews, aber das hängt nicht von der Ausbildungsebene der Interviewer ab. Vorschulkinder können durchaus bessere Interviewer sein als Hochschulprofessoren, denn die Eigenschaften eines guten Interviewers können von jedem gelernt werden. Interviewer sollten geduldig und aufmerksam sein. Zuhören ist bei der Oral History wichtiger als das Befragen. Für Interviewer gilt in der Tat das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Interviewpartner brauchen Raum und Zeit, um ihre Geschichten zu erzählen – geduldig zuhören können aber auch schon Schulkinder, während es vielen Erwachsenen schwer fällt, mit ihrer eigenen Meinung hinterm Berg zu halten oder es sie drängt, über ihre eigenen Erlebnisse zu berichten!

Schritt 3: Festlegung eines Themas
Besonders wenn für das Projekt wenig Zeit vorhanden ist, bietet es sich an (und ist eventuell unumgänglich), bereits im Vorfeld ein Thema zur Familien- oder Lokalgeschichte zu finden und vorzubereiten. Erstrebenswert ist es allerdings, dass die Schülerinnen selbst das Thema finden oder zumindest maβgeblich an der Themenfindung beteiligt sind. Ein Thema kann zunächst in Paar- oder Gruppenarbeit gefunden werden: „Findet ein Thema, das sich für ein historisches Projekt anbietet, für das Zeitzeugen zugänglich sind, bei dem die deutsche Sprache benutzt wird und das sich für Eure Klassenstufe eignet.“ Trotz der eigenständigen Themenfindung brauchen die Schüler Anleitung, damit das Thema nicht ausufert. Das Thema sollte deutlich eingegrenzt sein: ein Klassenprojekt zur Geschichte des Heimatortes insgesamt ist viel zu umfassend, um selbst in einem ganzen Schuljahr befriedigend abgeschlossen zu werden. Die Geschichte des ortsansässigen deutschen Bäckers oder die Einwanderungsgeschichte der eigenen Familie kann dagegen auch in einem relativ kurzen Projekt erfolgreich bearbeitet werden.[4]

Schritt 4: Erarbeitung des historischen Kontextes
Der historische Kontext kann mit Hilfe von Sekundärtexten (d.h. Geschichtsbüchern) und Primärquellen erschlossen werden. Neben Lokalgeschichten in der Stadtbücherei und im Lokalarchiv gibt es auch hilfreiche und kostenlose Literatur deutscher Stellen. So bieten die Bundeszentrale für politische Bildung, das Goethe-Institut und der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten kostenlose Literatur an. Zu den Primärquellen zählen neben Zeitungsartikeln und anderen Medienberichten vor allem archivarische Sammlungen, z.B. aus dem Ortsarchiv, Kirchenarchiven, historischen Gesellschaften und Privatsammlungen. Ein Besuch im Archiv und das Anfassen alter Dokumente (in vielen Archiven nur mit weiβen Baumwollhandschuhen) erfahren viele Schüler und Studierende als Höhepunkt des Schuljahres. Hinzu kommen Quellen aus dem Privatbesitz der Zeitzeugen. Zu den Primärquellen gehören Briefe, Tagebücher, Fotografien und Fotoalben.

Schritt 5: Suche nach Zeitzeugen
Für die Arbeit im Deutschunterricht ist es sinnvoll, deutsch sprechende Interviewpartner zu finden. Im Hochschulbereich können Studierende eigenständig Interviewpartner suchen und diese zum Interview auch zu Hause besuchen. Im Schulbereich sollte der Lehrer stärker eingreifen. Bei Interviews mit Familienangehörigen oder Familienfreunden können die Interviews durchaus im Haus des Interviewten durchgeführt werden. Nicht jeder Schüler muss einen „eigenen“ Interviewpartner haben. Schülerinnen können Teams bilden. Oder die Klasse lädt Interviewpartner zum Gespräch ins Klassenzimmer. Exemplarisch ist hier das Projekt „The Whole World Was Watching: An Oral History of 1968“, das die South Kingstown High School in Zusammenarbeit mit der Brown University in Rhode Island durchgeführt hat. Alle Interviews wurden im Klassenzimmer durchgeführt.[5] Inspirierend ist auch das amerikanische Foxfire Projekt, das bereits seit 1966 besteht und zu zahlreichen Veröffentlichungen geführt hat.[6]

Schritt 6: Festlegung des Interviewkontextes
Interviews können in unterschiedlichen Situationen geführt werden. Der Ort des Interviews kann bei dem Interviewten zu Hause sein, im Klassenzimmer oder an einem anderen öffentlichen Ort, z. B. der Schulbücherei, dem Stadtarchiv oder dem Rathaus oder auch im Geschäft oder Büro des Befragten. Die Zahl der Interviewer ist ebenfalls variabel. Die Interviews können von einzelnen Schülerinnen und Schülern geführt werden; die Zeitzeugen können auch von kleineren Schülergruppen befragt werden. Die Interviews können aber auch von der gesamten Klasse geführt werden. Variiert werden kann auch die Zahl der befragten Zeitzeugen: Am besten sind Interviews mit nur einem Zeitzeugen, doch auch Interviews mit Paaren und Gruppeninterviews bieten sich an. Bei Interviews mit Gruppen ist das größte Problem die Aufnahmetechnik: Sprechen zwei oder mehr Personen zur gleichen Zeit, wird dies auf der Aufnahme unverständlich. Hier muß also strenger „Regie“ geführt werden, um gleichzeitiges Sprechen zu vermeiden. Statt eines Tischmikrofons könnte ein Mikrofon, das in der Hand gehalten wird, herumgegeben werden. So kann immer nur einer auf einmal sprechen. Ein Vorteil von Paar- und Gruppeninterviews ist, dass die Erinnerung gegenseitig angeregt wird. Ein Nachteil kann sein, dass einige Erzähler dominieren; es kann auch vorkommen, dass bestimmte Themen in der Gruppe unterdrückt werden.

Neben methodischen Fragen ergeben sich hier auch Fragen von Ethik und Sicherheit, die durch die Klassenlehrerin und eventuell mit Hilfe des Schulleiters und der Eltern geklärt werden sollten – dies gilt insbesondere für Einzelinterviews im Haus des Interviewten.

Schritt 7: Erstellung eines Fragenkatalogs und einer Interviewstrategie
Die folgenden Punkte sind Erklärungen, die in den jeweiligen Unterrichtskontext übersetzt werden müssen. Die Schüler und Schülerinnen sollten lernen, Fragen zu erstellen und sie auch in den historischen Kontext einzubetten. Aktives Schweigen und Zuhören sind Fähigkeiten, die hier ebenfalls erlernt werden können.

Fragenkataloge sollten möglichst von Schülern erarbeitet werden, anstatt vom Lehrer vorgegeben zu werden. Beispielsweise können Schülerinnen in Kleingruppen zu jeweils einem Thema arbeiten und Fragen erstellen, die dann im Forum vorgestellt und erweitert werden.

In der Oral History gibt es mindestens zwei unterschiedliche Strategien der Befragung: einerseits die Frage nach der Lebensgeschichte und andererseits die thematische Befragung. In den meisten Fällen bietet sich aufgrund der begrenzten Zeit, die für ein Interview zur Verfügung steht, die thematische Befragung an. Dabei konzentrieren sich die Fragen auf das Forschungsthema, z.B. Kindheit oder Auswanderung. Bei einigen Interviewpartnern bietet es sich an, nach der Lebensgeschichte zu fragen. Dies kann entweder systematisch oder im „freien Fluss“ geschehen. Bei der systematischen Befragung fragt sich der Interviewer chronologisch „durch das Leben“ des Befragten: Wann und wo wurden Sie geboren? Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule? Erzählen Sie mir von Ihren Eltern. Bei der Befragung im „freien Fluss“ wird das Interview mit einer Frage eingeleitet, die nach der gesamten Lebensgeschichte fragt: Bitte erzählen Sie mir Ihre Lebensgeschichte. In dieser Zeit sollten möglichst keine weiteren Fragen gestellt werden. Der Interviewte sollte frei erzählen. Dies funktioniert nicht bei allen Zeitzeugen. Einige werden um gezielte Fragen bitten. Solche Interviews können sehr lang und ausführlich werden und sollten nur geführt werden, wenn die Mittel dafür zur Verfügung stehen. Nach Ende der Lebensgeschichte können dann Fragen gestellt werden. Diese sollten nicht nur nach dem individuellen Leben fragen, sondern auch danach, wie bestimmte historische Ereignisse erlebt wurden, z. B.: Wie haben Sie die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren erlebt? Was haben Sie während des Zweiten Weltkrieges erlebt? Wie erinnern Sie die 1950er Jahre?

Im Gespräch sollten neben klärenden, „geschlossenen“ Fragen besonders viele „offene“ Fragen gestellt werden. Geschlossene Fragen erwarten eine kurze Antwort (häufig „Ja“ oder „Nein“ oder ein Datum, z. B. Wann wurden Sie geboren? Was war Ihr Lieblingsfach?). Offene Fragen geben dem Befragten die Möglichkeit, Anekdoten und Erlebnisse zu berichten (z. B. Erzählen Sie mir von den schönsten Momenten in ihrem Leben.). Auch Nachfragen ist wichtig: (Können Sie mir ein Beispiel geben? Wie haben Sie sich da gefühlt?).

Beim Fragen ist es wichtig, sich zurückzuhalten und die Erzähler ihre Geschichten erzählen zu lassen. Längere Schweigepausen bieten Gelegenheit zum Nachdenken und Erinnern. Zu interviewen bedeutet vor allem zuzuhören! Für den Fall, daß etwas nicht verstanden wird, sollten Notizen gemacht werden. Nach Beendigung der Geschichten können dann Klärungsfragen gestellt werden (Klärung von Begriffen, Schreibweise von Namen usw.).

Schritt 8: Aufnahmetechnologie
Aus historisch-archivarischer Sicht, aber auch aus didaktischer Sicht ist es wichtig, dass die Interviews aufgezeichnet und dokumentiert werden. Welche Aufnahmetechnologie benutzt wird, hängt davon ab, welche Mittel dem Projekt zur Verfügung stehen. Die meisten Aufnahmegeräte sind heutzutage digitale Audio- und Videorekorder. Wichtiger als die Aufnahmequalität ist es, dass sich die Schülerinnen sicher im Umgang mit der Technik fühlen (sie also eventuell eher ihre eigenen Geräte benutzen als unter Zeitdruck neue Geräte kennenzulernen). Eine Kooperation mit der IT-Abteilung der Schule, falls vorhanden, kann fruchtbar sein. Egal welche Aufnahmetechnik benutzt wird, wichtig für gute Audioqualität ist es, das Mikrofon so nah wie möglich am Zeitzeugen zu platzieren (nicht mehr als 30-50 Zentimeter entfernt).

Schritt 9: Dokumentation und Archivierung
Egal, welches Medium benutzt wird, es ist wichtig, daß auf den Speichermedien gekennzeichnet ist, wer wen, wann und wo interviewt hat. Dies sollte auch möglichst genau und umfangreich auf den Audio- bzw. Videodateien sichtbar sein, z. B. durch deutlich kennzeichnende Dateinamen (statt Interview1.wav sollte die Datei 20100131SCHULZHeino1of2.wav heissen). Wünschenswert ist auch, das Interview zu transkribieren, d. h. schriftlich niederzulegen. Wird das Interview (egal in welcher Form: Ton- oder Bildaufnahme, Transkript) öffentlich gemacht (also Personen außerhalb des Klassenverbandes zur Verfügung gestellt), sollte eine schriftliche Einverständniserklärung des Interviewten vorliegen. Dies gilt insbesondere, wenn das Interview in einem Archiv deponiert oder es über das Internet veröffentlicht wird. Obwohl hier als vorletzter Schritt aufgeführt, sollten sich die Schülerinnen und Lehrer von Anfang an damit befassen, wie die Ergebnisse archiviert werden und frühzeitig mit dem Lokalarchiv Kontakt aufnehmen.

Schritt 10: Verarbeitung der Forschungsergebnisse
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die Forschungsergebnisse öffentlich zu machen und darzustellen: in Referaten und Mappen (Portfolios), auf Webseiten, in Ausstellungen, als Theaterstücke oder in anderen Kunstwerken. Obwohl hier als letzter Schritt aufgeführt, sollten sich die Schüler und Lehrerinnen von Anfang an damit befassen, wie die Ergebnisse letztendlich dargestellt werden. Auch hier sollte die Entscheidung über die Darstellungsform, soweit wie möglich, von den Schülerinnen und Schülern bestimmt werden. Dabei muss der Lehrer dennoch darauf achten, welche „Produkte“ er für die Evaluierung und Benotung der Schülerarbeiten benötigt.


Weiterführende Literatur und Ressourcen

Donald A. Ritchie, Doing Oral History: A Practical Guide, 2nd ed. (Oxford: Oxford University Press, 2003).
East Midlands Oral History Archive, “Information Sheet #9: Oral History in Schools,” http://www.le.ac.uk/emoha/training/no9.pdf.
Linda P. Wood, Oral History Projects in Your Classroom (Oral History Association Pamphlet Series, 2001).

Zeitschriften:

Oral History Forum d’histoire orale: www.oralhistoryforum.ca
Oral History Review (USA)
Organisationen:
Canadian Oral History Association: www.canoha.ca
Oral History Association (USA): www.oralhistory.org

Notes

[1] Karl Heinrich Pohl, „Projekte in der akademischen Lehre? Überlegungen, Erfahrungen und Vorschläge für eine zukünftige Universität“, in Rainer Pöppinghege (Hrsg.), Geschichte lehren an der Hochschule. Reformansätze, Methoden, Praxisbeispiele (Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 2007), 82-95, 85.
[2] Siehe dazu, „Toys and Games: An Oral History,“ at http://www.le.ac.uk/emoha/schools/toys.html.
[3] Von dieser Frage ausgehend hat eine Schulklasse von Jamie Smith an der Sacred Heart High School in Walkerton, Ontario, in Zusammenarbeit mit dem Autor ein Projekt zur Lokalgeschichte erarbeitet: http://www.walkertonhistory.20fr.com/.
[4] Projekte zur Einwanderungsgeschichte der eigenen Familie wurden erfolgreich in den bilingualen (deutsch-englisch) Programmen des River East Colleagiate (11. Klasse) und der Princess Margaret School (6. Klasse) in Winnipeg durchgeführt. Alexander Freund, „German-Canadian Studies Research Grant“, German-Canadian Studies Newsletter 11.2 (2006): 1-2, http://www.uwinnipeg.ca/index/cms-filesystem-action/pdfs/german-cdn/newsletter-11.2.pdf.
[5] Siehe http://www.stg.brown.edu/projects/1968/.
[6] http://www.foxfire.org/.