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Unterrichtsforum

Ein dreifacher Zugang zum Nationalsozialismus. Filme im landeskundlichen DaF-Unterricht

Dominik Herzner

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Das Thema Nationalsozialismus ist Bestandteil des landeskundlichen Deutsch­unterrichts und findet sich sowohl in Lehrwerken, als auch in expliziten Kulturkursen wieder (vgl. Warmbold, 1993).

 

Das Interesse an der Thematik ist bei internationalen Lernenden vorhanden (vgl. Ghobeyshi, 2002), besonders die Fragen, wie es zur nationalsozialistischen Herrschaft gekommen sei, warum so viele Leute mitgemacht hätten und wie die Menschen heute darüber denken, beschäftigen die Lernenden. (Vgl. Illy 1999: 173f.) Diese Interessengebiete zeigten sich in einer Untersuchung von Regine Illy, in der 80 Prozent der Teilnehmenden angaben, dass sie gerne mit Filmen und Videos zu dem Thema arbeiten (vgl. Illy 1999: 174). Damit liegt dieses Medium auf dem ersten Platz, so dass Filmen über den Nationalsozialismus eine große Bedeutung für die unterrichtliche Arbeit zukommt. Dem Interesse der Lernenden steht die häufig geringe Beachtung des Mediums Film seitens der Lehrenden entgegen, das im DaF-Unterricht oftmals nur als audiovisuelles Arbeitsmaterial zur Spracharbeit (vgl. Chudak, 2007, S. 14), oder in zweiter Instanz als Lückenfüller gesehen wird (hier sei beispielsweise die letzte Unterrichtseinheit vor den Ferien genannt). Die filmische Analyse wird dabei ausgeklammert, aber gerade für das komplexe Thema National­sozialismus ist eine intensive Beschäftigung nötig, um die Bedürfnisse und Fragen der Lernenden zu befriedigen.

 

Im Folgenden wird ein praktischer Ansatz präsentiert, der während des Semi­nars „Deutschsprachiger Film“ für DaF-Lernende an der Universität Regensburg durchgeführt wurde. Bei den TeilnehmerInnen handelte es sich um internationale Studierende aus unterschiedlichen Ländern, die als Austauschstudierende in Deutschland waren oder dort ein reguläres Studium absolvierten. Alle TeilnehmerIn­nen hatten mindestens das Sprachniveau B2.

 

Dem Thema Nationalsozialismus wird sich durch drei unterschiedliche Filme ange­nähert, so dass Anforderungen an einen zeitgemäßen Umgang mit dem National­sozialismus erfüllt werden können und auf eine heterogene Kurszusammensetzung eingegangen werden kann. Internationale Teilnehmende sind oft in unterschied­lichen Lernkulturen sozialisiert und haben durch das jeweils regionale oder nationale Narrativ des Heimatlandes unterschiedliche Zugänge zum Unterrichtsgegenstand. Es ist anzunehmen, dass auch heute noch nahezu alle Lernenden Berührungs­punkte (wenn auch unterschiedlicher Art aufgrund der jeweiligen kulturhistorischen Hintergründe) mit dem Thema Nationalsozialismus haben, so dass die Problematik der Ungleichzeitigkeit der Gleichzeitigkeit, wie sie Koreik im DaF-Unterricht zurecht sieht (vgl. Koreik, 2012, S. 4), in diesem konkreten Fall z. T. relativiert wird. In anderen Worten: Alle Teilnehmenden haben Vorerfahrungen zu diesem Thema und sind durch den heimischen Geschichtsunterricht unterschiedlich sozialisiert. Die unterschiedlichen filmischen Ansätze sollen diesen Punkt berücksichtigen und eine breite Basis des Verstehens für eine heterogene Gruppe schaffen. Dabei sollen vor allem als Lernziel die eingangs aufgezeigten Fragen aus der Untersuchung von Regine Illy fokussiert beantwortet, sowie filmanalytisches Wissen vermittelt werden.

 

Der Themenkomplex Nationalsozialismus umfasst innerhalb des Seminars insge­samt sechs Unterrichtseinheiten zu je 90min und gliedert sich in die Bereiche zeitgenössischer Spielfilm, historischer Spielfilm und Komödie, mit den Filmen: „Quax der Bruchpilot“, „Sophie Scholl – die letzten Tage“ und „Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler.“

 

Die ausgewählten Spielfilme unterscheiden sich in fünf Dimensionen: Unter­halten, Abrechnen, Aufklären, Indoktrinieren und Glorifizieren (vgl. Weber, 2010, S. 141). In der Annahme, dass alle Filme unterhalten wollen, können anhand des drei­fachen Zugangs Unterschiede in den restlichen Kategorien festgestellt werden. Des Weiteren reflektieren die ausgesuchten Beispiele drei Zeitebenen: die dargestellte Epoche, die Entstehungszeit und die Rezeptionszeit (vgl. Weber, 2010, S. 143).

 

Die dargestellten didaktischen Überlegungen zur Arbeit mit den Beispielfilmen bieten eine Möglichkeit filmanalytische und historische Fragestellungen zu kombi­nieren und können so einen Mehrwert für den DaF-Unterricht schaffen, der über eine reine Spracharbeit hinausgeht.

 

1.   Quax der Bruchpilot (1941) – didaktische Möglichkeiten

„Quax der Bruchpilot“ ist eine Komödie aus dem Jahr 1941. Die Hauptfigur Otto Groschenbügel, gespielt von Heinz Rühmann, gewinnt bei einem Preisausschreiben eine Ausbildung auf einer Fliegerschule. Anfangs ist er von der dort herrschenden Disziplin nicht begeistert, gewinnt aber im Laufe der Handlung immer mehr Gefallen an der Fliegerei.

 

Der Film ist vor allem für die Ebene der Entstehungszeit interessant, da er hier als Dokument einen Quellencharakter bekommt (vgl. Mettele, 2006, S. 296) und die Forschung an Filmen als historische Dokumente Rückschlüsse über Mentalitä­ten, Stereotype und Geschichtsbilder zulässt (vgl. Koller, 2012, S. 80). Er wirkt auf den ersten Blick wie eine harmlose Komödie, wird aber auf Grund der indirekten Propaganda nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Quax ist ein paramilitäri­scher Film, der im unpolitischen Rahmen Propaganda verbreitet (vgl. Körner, 2001, S. 66f.). Das Medium Film ist ein zentraler Bestandteil der Goebbelschen Indoktrinie­rungsmaßnahmen. Im Film werden zentrale Tugenden des Nationalsozialismus verarbeitet: Neben der Werbung für die Fliegerei ist das vor allem die Umerziehung der Hauptfigur Otto Groschenbügel von einem disziplinlosen Schüler zu einem vorbildlichen Fluglehrer. Die Einbettung in das heimatliche Milieu Bayerns suggeriert zudem das Bild einer idyllischen, heilen Welt, die jenseits von Krieg und Tod Goebbels Vorstellung von ‚guter Laune’ bietet.

 

Mit Hilfe des ausgewählten Films sollen die Lernenden versteckte Propaganda erkennen und einordnen können. Die zeitgenössische Spielfilmproduktion ermöglicht Einblick in das Wesen der Propaganda und des Nationalsozialismus. An Hand der Schauspielerbiografie Heinz Rühmanns lässt sich außerdem die Rolle der Kunst im Verhältnis zur Diktatur diskutieren (vgl. Görtz & Sarkowiez, 2001, S. 129ff.).

 

Um die Propaganda im Film zu erkennen, bietet sich ein Vergleich mit anderen Medien und Verfilmungen der NS-Politik an. Die Verherrlichung der Fliege­rei kann beispielsweise durch die Anfangssequenz von ‚Triumph des Willens’ hervorgehoben werden. Die offensichtliche Propaganda des Leni Riefenstahl Films wird leichter erkannt und kann als Hintergrundfolie auf Quax angewendet werden. Filmanalytische Gemeinsamkeiten sind dabei die langen Fliegerszenen, die immer wieder eingeblendeten jubelnden Menschenmassen sowie das Flugzeug als zentra­les Motiv.

 

Das Symbol der heilen Welt lässt sich durch einen Vergleich und eine  Genreana­lyse des Mediums „Heimatfilm“ und Komödie im Unterricht einführen. Heimatfilme suggerieren Frieden, mahnen zu Resignation und Vergnügen und bieten Fluchträume an, in denen sich der Zuschauer orientieren kann (vgl. Beindorf, 2001, S. 257f.). Zentrale Merkmale der Heimatfilmpropaganda sind die bewusste landschaftliche Naturdarstellung sowie das Kleinstadtmilieu im Bühnenbild und im Setting. Die Beziehung im Film zwischen Otto und seiner Geliebten Marianne fügt sich in das Genre und ist ein Element der Handlungsebene, das dem Film das obli­gatorische Happy-End gibt. Durch Filmausschnitte aus anderen Heimatfilmen und Komödien können die Gemeinsamkeiten in Handlung und Bühnenbild erarbeitet werden.

 

Durch eine vergleichende Personencharakterisierung der Hauptfigur Otto Groschenbügel zu Beginn und am Ende des Films lässt sich außerdem der Wandel der Figur erkennen, da alle negativen Eigenschaften in Positive gewandelt werden. Aus dem ängstlichen, undisziplinierten, angeberischen Flugschüler wird ein mutiger, disziplinierter, anständiger Lehrer, der die Kameradschaft der Fliegerschule schätzt und sich ins System fügt. Er hat als Mitglied der Gemeinschaft seinen Platz zuge­wiesen bekommen und ordnet sich dem hierarchischen Prinzip von Befehl und Gehorsam unter (vgl. Kirste, 1999, S. 79).  Damit steht der Film, obwohl er dem Genre Komödie zuzuordnen ist, in diesem Aspekt auf einer Ebene mit den typischen Kriegsfilmen der NS-Zeit.

 

Des Weiteren kann der Entstehungszeit des Filmes eine Faktenanalyse des Kriegsverlaufs gegenübergestellt werden. Gerade vor dem Hintergrund der Luft­schlacht um England im Jahr 1941 wirkt die Verherrlichung der Fliegerei offensicht­lich und es wird deutlich, dass dieser Spielfilm neben der Unterhaltungsfunktion die Dimensionen der Indoktrinierung und Glorifizierung erfüllt.

 

Das Medium Film wurde während der NS-Zeit nicht explizit propagandistisch genutzt, sondern durch unpolitische Filme, wie Quax ergänzt, denn unter der Ober­fläche behandeln solche Filme ideologische Paradigmen. Gegebenheiten werden dadurch angenommen, vom Publikum nicht hinterfragt und ein Wertesystem wird mit großen SchauspielerInnen und Produktionen etabliert, das der Ideologie der Diktatur entspricht (vgl. Krah, 1999, S. 13). Die Frage, warum so viele Menschen mitgemacht haben kann damit natürlich nicht beantwortet werden, aber der zeitgenössische Film kann Aufschluss über die Gedanken der Menschen, über ihr Umfeld und ihre Alltagserfahrungen geben und damit zumindest mögliche Erklärungsansätze liefern.

 

2.   Sophie Scholl – die letzten Tage (2005) – didaktische Möglichkeiten

Für den Film Sophie Scholl – die letzten Tage sind im Vergleich zu anderen Filmen zahlreiche didaktische Handreichungen erschienen, die meistens eine sprachliche, inhaltliche Auseinandersetzung fokussieren (vgl. D’Alessio, 2007; Lay, 2007).  Inhaltlich lässt sich mit dem Film der Widerstand im Dritten Reich zeigen, was der häufigen Pauschalisierung von ‚alle Deutschen waren Nazis’ entgegenwirken kann. Die jugendlichen Hauptfiguren dienen der Identifizierung und Emotionalisierung. Darüber hinaus eignet sich der Film dazu das Genre historischer Spielfilm zu analy­sieren. Die Produktion von Marc Rothemund will einerseits den historischen Tatsa­chen entsprechen um damit aufzuklären und zu informieren, muss aber als Film ebenso die Dimension der Unterhaltung erfüllen, wodurch eine Diskrepanz entsteht, die alle historischen Spielfilme betrifft. Diese Ambivalenz behandeln die Ausführun­gen und Handreichungen von Philipp Bühler, die neben der sprachlichen und inhalt­lichen Arbeit einen medienanalytischen Zugang zum Film erlauben (vgl. Bühler, 2005). Durch die Thematisierung des Genres historischer Spielfilm mit seinen Stär­ken und Schwächen kann bei den Lernenden eine Basis geschaffen werden, um diese auf andere Produktionen anzuwenden und Fiktionalität als künstlerisches Medium zu erkennen.  Die historische Authentizität des Spielfilms kann des Weiteren durch einen sprachlichen Vergleich der Verhörprotokolle mit einer Sequenzanalyse erarbeitet werden. Der Film macht das Beamtendeutsch des Gestapopolizisten Mohr als Inversion der nationalsozialistischen Sprache sichtbar und verwandelt die grobe Protokollsprache in geschliffene Dialoge (vgl. Kühn, 2007, S. 238). Im Gegensatz zu internationalen Filmproduktionen über den Nationalsozialismus verzichtet Rothemund auf unnötige Details (vgl. Kühn, 2007, S. 236-7), sondern konzentriert sich auf die psychische Auseinandersetzung zwischen Mohr und Sophie, die durch Alter, Geschlecht und vor allem Weltanschauung als Antagonisten fungieren.

 

Ein letzter Ansatzpunkt zur Arbeit mit dem Film gibt die Rezeptionszeit. Als Film aus dem Jahr 2005 zeigt Sophie Scholl auch die aktuelle Auseinandersetzung im deutschsprachigen Film mit dem Thema Nationalsozialismus. Zwischen 2000 und 2008 haben sich 22 von 63 historischen Spielfilmen mit dem Thema Nationalsozia­lismus beschäftigt (vgl.  Weber, 2010, S. 137), was den hohen Stellenwert des Themas in der Filmlandschaft unterstreicht. Diese Filme können damit die Frage wie die Menschen heute über den Nationalsozialismus denken, klären, bieten sie doch immer einen Deutungsspielraum der Regisseure und der Darstellung. Als histori­scher Spielfilm bietet Sophie Scholl inhaltlich einen Kontrast zur suggerierten heilen Welt aus Quax und als Quellendokument für die filmische Auseinandersetzung der 2000er eine Alternative zum letzten Film „Mein Führer.“

 

3.   „Mein Führer“ – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler (2007) – didaktische Möglichkeiten

Die Produktion des jüdischen Regisseurs Dani Levy war die erste deutschsprachige Komödie über Adolf Hitler und den Nationalsozialismus. Über Hitler zu lachen ist im Entstehungsjahr 2006 schon zum Teil der Popkultur geworden (vgl. Worschesch, 2007, S. 205), doch gerade im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutsch­land als das Land der Täter sehr spät eine komödiantische Umsetzung wagte. Während man in den USA 1968 über Mel Brooks „The Producers“ und in Italien 1997 über Roberto Benignis „La vita è bella“ lachen konnte, mied man in Deutsch­land die Form der Komödie im Umgang mit dem Thema.

 

Im Film leidet Hitler kurz vor der großen Neujahresansprache 1945 an Depressio­nen und Angstzuständen. Um ihn jedoch wieder zu einem schlagkräftigen Redner werden zu lassen, stellt ihm Joesph Goebbels seinen ehemaligen jüdischen Schauspieltrainer Adolf Grünbaum zur Seite. Das Training wandelt sich zur Therapie und Hitler öffnet sich seinem Lehrer und erzählt diesem von seinen Kindheits­problemen. Regisseur Levy ließ sich bei der Charakterisierung der Figur von Alice Millers Buch „Am Anfang war Erziehung“ inspirieren, so dass die NS-Diktatur als eine Folge eines Kindheitstraumas dargestellt wird (vgl. Worschesch, 2007, S. 208). Dieses monokausale Erklärungsmuster ist neben der Verharmlosung der Hitler-Figur einer der Hauptkritikpunkte am Film (vgl. Hissen, 2010, S. 211). Die Psychologi­sierung der Figur Hitler schafft in der Tat ein verharmlosendes Bild Hitlers (vgl. Baumert u.a., 2008, S. 44), doch steckt dahinter eine Selbstoffenbarung der NS-Ideologie als unschlüssiges und unwahres Produkt, denn die Stilisierung des Über­menschen, wie sie in der NS-Propaganda betrieben wurde, wird durch die physische und psychische Instabilität der Filmfigur kontrastiert.

 

Eine zentrale Stelle im Film ist die abschließende Rede Hitlers vor dem Volk. Als ihm in der Maske zuvor versehentlich sein Bart abrasiert wird, verliert er aus Wut seine Stimme, die ihm nun Grünbaum, versteckt unterm Rednerpult leihen muss. Dieser ergreift die Chance und spricht zur jubelnden Masse: „Da steht ihr aschblond [...] und jubelt mir zu. [...] Wir rächen uns an den Juden, den Homosexuellen, den Kommunisten in ganz Europa für die Qualen und Demütigungen in meinem Kinder­zimmer.“ Neben der psychologischen Konstante und der monokausalen Erklärung offenbart diese Szene aber auch die oben angesprochene Absurdität der arischen NS-Ideologie im Vergleich zu ihren Anführern. Bei der Nennung der Homosexuellen schwenkt die Kamera auf Albert Speer, dessen gerahmtes Portrait den ganzen Film über auf Hitlers Schreibtisch steht. Dieser selbst gesteht in einer vorherigen Szene, dass er jüdischer Abstammung sei und nach NS-Rassenideologie zu einem Viertel ein Jude wäre. Levy spielt hier bewusst mit den Gerüchten, die sich um die Homo­sexualität und jüdische Herkunft Hitlers ranken, um die Inkohärenz der NS-Moral offenzulegen und mit ihr abzurechnen. 

 

In der Arbeit mit internationalen Rezipienten kann deutlich gemacht werden, dass die Ideologie des NS-Regimes konstruiert war und eben nur durch Propaganda (wie in Quax gezeigt) und Gewalt (wie in Sophie Scholl gezeigt) erfolgreich werden konnte. Damit bietet auch dieser Film einen Erklärungsansatz dafür, warum so viele Menschen dem Nationalsozialismus gefolgt sind. Die Figur Joseph Goebbels gibt im Film dazu die passende Beschreibung: Inszenierte Realität.

 

Das Genre Komödie bietet kontrastiven Zugang zu „Quax der Bruchpilot“. Des Weiteren wird gerade in heterogenen Unterrichtsgruppen die Frage, ob Lachen über Hitler erlaubt sei, zu kontroversen Meinungen führen. Dabei kann Humor unter verschiedenen Zeitebenen betrachtet werden. Zum einen aus der zeitgenössischen Perspektive, denn

 

(Witze) zu betrachten und zu interpretieren ist […] von Nutzen, spiegelt sich doch im Witz, was die Menschen wirklich beschäftigte, amüsierte und ärgerte. Die Innenansicht des Dritten Reichs, die sich damit eröffnet, besitzt eine Authentizität, die man bei der Betrachtung anderer zeitgeschichtlicher Doku­mente meist vermisst. (Herzog, 2006, S. 15)

 

Betrachtet man den Film als Dokument über die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Hitler zeigt er, wie man in Deutschland heute mit dem Topos umgeht und dass Humor mittlerweile zum Teil der politischen Bildung gehört, denn „Ironie und Selbstironie sind [...] nicht nur wichtige und legitime Instrumente kultureller Iden­titätsbildung, sondern verteidigen auch die Menschlichkeit gegen Ideologie und Gewalt.“ (Nuy, 2007, S. 7) Nur wer versteht, kann lachen und die historischen Fakten einordnen und erkennen. Hierbei kann besonders die Komödie wertvolle Arbeit leisten und anhand der Rezeptionsgeschichte und Diskussion über den Film einen Einblick in das aktuelle Geschichtsbewusstsein in der Bundesrepublik geben.

 

4.   Zusammenfassung

Filme erlauben als Unterrichtsmedium einen besonderen Zugang zu Geschichte und Landeskunde.

 

Die große Bedeutung der filmischen Massenmedien für die Ausprägung des Geschichtsbewusstseins junger Menschen wird von Geschichtsdidaktikern immer wieder konstatiert […] Besonders der dem Spielfilm eigene Evidenz­charakter, dass er ohne didaktische Absicht Geschichten und Geschehen­sabläufe erzählt, scheint ihn gegenüber den absichtsvollem Vermittlungsfor­men in Gedenkstätten, Dokumentarfilmen usw. attraktiver und wirklichkeits­haltiger zu machen. (Hofmann & Baumert, 2008, S. 144)

 

Für die Arbeit mit internationalen Lernenden, die genuine Fragestellungen an die deutsche Geschichte haben, wurde im Bezug zum Thema Nationalsozialismus ein dreifacher Zugang gewählt. Durch die zeitgenössische Produktion „Quax der Bruch­pilot“ wird ein Einblick in die Filmarbeit aus der Zeit des Nationalsozialismus gege­ben. „Sophie Scholl – die letzten Tage“ dient gleichzeitig als Kontrast zur suggerier­ten heilen Welt aus Quax und als Vergleich zur komödiantischen Auseinanderset­zung „Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler.“

 

Für internationale Lerner können anhand dieser drei Filme Fragestellungen erar­beitet, die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gezeigt und filmanalytische Kompetenzen entwickelt werden. Es können sowohl die verschiedenen Zeitebenen, als auch die inhaltlichen Kategorien von Spielfilmen thematisiert werden und im Falle des Themas Nationalsozialismus ein breiter Zugang ermöglicht werden. Die sprachliche Arbeit muss deswegen nicht vernach­lässigt werden, sondern kann in die filmdidaktische Analyse integriert werden.

 

 

 

5.   Literaturverzeichnis

Baumert, Anna; Hofmann, Wilhelm & Blum, Gabriela (2008). Laughing about Hitler? My Fuehrer – The Truly Truest Truth About Adolf Hitler. Journal of Media Psychology 20,  43-56.

 

Beindorf, Claudia (2001). Terror des Idylls: Die kulturelle Konstruktion von Gemeinschaft in Heimatfilm und Landsbygdsfilmen 1930-1960. Baden Baden:  Nomos.

 

Bühler, Philipp (2005). Sophie Scholl – die letzten Tage. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Chudak, Sebastian (2007). Der deutsche Film auf Erfolgskurs: Warum nicht auch um Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht? Fremdsprache Deutsch 36, 14-20.

 

D´Alessio, Germana & Saurer, Martin (2007). Sophie Scholl – die letzten Tage. Fremdsprache Deutsch 36, 48-51.

 

Ghobeyshi, Silke (2002). Nationalsozialismus und Schoah als landeskundliche Themen im DaF-Unterricht. Frankfurt am Main: Lang.

 

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Hofmann, Wilhelm & Baumert, Anna (2008). Hitler als Figur der psychologischen Medienforschung: Zum Einfluss von Kinofilmen wie Der Untergang und Mein Führer Die Wirklich Wahrste Wahrheit über Adolf Hitler auf die Einstellung der Zuschauer gegenüber Adolf Hitler. In Rother, Rainer & Herbst-Meßlinger, Karin (Hrsg.),  Hitler darstellen: Zur Entwicklung und Bedeutung einer filmischen Figur (S. 133-144).  München: edition text+kritik.

 

Illy, Regine (1999). Nationalsozialismus als Thema im Deutsch als Fremdsprache Unterricht.  Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache 3, 168-185.

 

 

 

Kirste, Katja (1999). Fliegen fürs Vaterland: Tod und Patriotismus in Fliegerfilmen – eine interkulturelle Perspektive In Krah, Hans (Hrsg.), Geschichte(n). NS-Film – NS Spuren heute (S. 75-97). 2. Aufl. Kiel: Ludwig Steve, 1999.

 

Körner, Torsten (2001). Der kleine Mann als Star: Heinz Rühmann und seine Filme der 50er Jahre. Frankfurt am Main: Campus.

 

Koller, Wolfgang (2012). Der Film als historische Quelle. In Hieronimus, Marc (Hrsg.), Historische Quellen im DaF-Unterricht (S. 77-91). Göttingen: Universitätsverlag.

 

Koreik, Uwe (2012). Deutsche Geschichte im DaF-Unterricht: Zur Arbeit mit historischen Quellen. In Hieronimus, Marc (Hrsg.), Historische Quellen im DaF-Unterricht (S. 1-15). Göttingen: Universitätsverlag.

 

Krah, Hans & Wünsch Marianne (1999). Der Film des Nationalsozialismus als Vorbehaltsfilm oder ‚Ufa Klassiker’: vom Umgang mit der Vergangenheit: Eine Einführung. In Krah, Hans (Hrsg.), Geschichte(n). NS-Film – NS Spuren heute (S. 9-31). 2. Aufl. Kiel: Ludwig Steve.

 

Kühn, Heike (2007). Die Sonne scheint noch: Zu Marc Rothemunds Sophie Scholl – Die letzten Tage, in: Frölich, Margit u.a. (Hrsg.): Das Böse im Blick: Die Gegenwart des Nationalsozialismus im Film (S. 231-245.). Stuttgart: edition text+kritik.

 

Lay, Tristan (2007). Sophie Scholl - Die letzten Tage: Möglichkeiten zum Einsatz im DaF-Unterricht. Info DaF 5, 503-514.

 

Mettele, Giesela (2006). Geschichte in bewegten Bildern: Historisches Arbeiten mit Dokumentar- und Spielfilmen, in: Hein, Dieter, u.a. (Hrsg.): Historie und Leben: Der Historiker als Wissenschaftler und Zeitgenosse. Festschrift für Lothar Gall (S. 287-300).  München: Oldenbourg.

 

Nuy, Sandra (2007). Comic relief - Lachen über Hitler, Goebbels & Co. Impulse für eine Diskussion. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Warmbold, Joachim (Hrsg.). (1993). Zum Thema Nationalsozialismus im DaF-Lehrwerk und- Unterricht. München:  Iudicium.

 

Weber, Till (2010). Deutsche Spielfilme mit historischen Themen im Kultur- und Landeskundeunterricht im Rahmen von Deutsch als Fremdsprache. In Welke, Tina & Faistauer, Renate (Hrsg.), Lust auf Film heißt Lust auf Lernen: Der Einsatz des Mediums Film im Unterricht Deutsch als Fremdsprache (S. 133-151). Wien: Praesens. 

 

Worschech, Rudolf (2007). Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler: Dani Levys Hitler Satire. In Frölich, Margit (Hrsg.), Das Böse im Blick: Die Gegenwart des Nationalsozialismus im Film (S. 204-219). Stuttgart: edition text+kritik.