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Unterrichtsforum

Darstellendes Spiel im Fremdsprachenunterricht

Marianne Eiselt

Im Sommer 2009 hatte ich das Glück, Dank eines Stipendiums des Goethe-Instituts an einem Fortbildungsseminar in Berlin zum Thema „Theater im Unterricht“ teilzunehmen. Das Seminar wurde von Dr. Manfred Schewe und Birgit Oelschläger. Im Folgenden möchte ich gern einige Gedanken, die diesem Ansatz zu Grunde liegen mit den Lesern teilen und konkrete Beispiele für den Einsatz im Unterricht geben, die ich aus Berlin nach Kanada mitgebracht habe.

Im Sommer 2009 hatte ich das Glück, Dank eines Stipendiums des Goethe-Instituts an einem Fortbildungsseminar in Berlin zum Thema „Theater im Unterricht“ teilzunehmen. Das Seminar wurde von Dr. Manfred Schewe und Birgit Oelschläger. Im Folgenden möchte ich gern einige Gedanken, die diesem Ansatz zu Grunde liegen mit den Lesern teilen und konkrete Beispiele für den Einsatz im Unterricht geben, die ich aus Berlin nach Kanada mitgebracht habe.

„Fremdsprachenlehrer und –lehrerinnen können für die eigene Arbeit viel von professionellen Theatermachern lernen: Vom Dramatiker können sie lernen, wie ein Lehrbuch-Dialog nicht banal bleibt, sondern Spannung erzeugt und Interesse erweckt. Vom Regisseur können sie lernen wie Atmosphäre geschaffen wird und vom Schauspieler können sie lernen, sich in andere Rollen und Situationen einzufühlen und klare gestische Signale zu geben.“ So Manfred Schewe, der bekannte Dramapädagoge in dem Buch „DaF Stunden dramapädagogisch gestalten – wie mache ich das? “.

Die Methodik des Darstellenden Spiels im Fremdsprachenunterricht soll andere didaktische Mittel nicht ersetzen, sondern das Repertoire des einzelnen Lehrers bereichern. „Hier steht der einzelne Lerner mit seiner Persönlichkeit im Mittelpunkt, er selbst ist aktiv, die Lehrkraft erhält mehr die Aufgabe einer Organisatorin des Lernprozesses. In den meisten Fällen wird in Gruppen gearbeitet, wobei man sich austauscht und auf ein gemeinsames Handlungsprodukt hin arbeitet. Es ist ein Unterricht, in dem alle Sinne und in besonderem Maße der Körper in den Lernprozess mit einbezogen werden“. (Oelschläger, 2004, 24).

Wie das Theaterspielen zum Mittel für den Fremdsprachenerwerb, meist zur Verbessserung mündlicher Kommunikation, aber auch zu landeskundlicher Erfahrung eingesetzt wird, haben wir Teilnehmer des Theater- Seminars ausgiebig kennen gelernt. Im Folgenden nun einige konkrete Unterrichtsvorschläge für kurze theaterpädagogische Unterrichtsphasen, sowie auch für eine ganze, drama-orientierte Unterrichtsstunde.

Kennenlernspiel „Cocktail-Party“
Zum Kennenlernen der Teilnehmer einer Klasse, eines Seminars oder eines Sprachwochenendes bietet sich zum Anfang eine theaterpädagogische „Cocktail-Party“ an:

Jede/r wählt sich eine imaginäre Speise und ein Getränk, bewegt sich damit durch den Raum und beginnt ein Gespräch mit einer/m Partybesucher/in. Das Gespräch dreht sich sehr allgemein um das Seminarthema (beim Seminar des Goethe-Instituts drehte es sich um Theater, da Theaterinteressierte zur Party eingeladen waren). Man wechselt schnell von Person zu Person, denn Ziel ist es, möglichst viele der eingeladenen Gäste kennen zu lernen. Nach 10 bis 15 Minuten ist die Party zu Ende und es geht darum, sich an Details zu erinnern.
Reihum treten die Seminarteilnehmer in die Mitte des Kreises und bleiben dort stehen. Die im Kreis sitzenden Teilnehmer beteiligen sich daran, die für die einzelnen Partybesucher relevanten Details zu rekonstruieren. Dabei werden die Namen der Teilnehmer genannt und die Seminargruppe erfährt etwas über die Beziehung Einzelner zum Bereich Theater.
Die Partysituation hat mit der eigenen Erfahrung zu tun (die Partyteilnehmer sind neu im Seminar) und hat daher einen deutlichen Realitätsbezug, andererseits bedeutet die Übung den ersten Schritt zum Handeln in der Fiktion: Speisen und Getränke sind ja frei erfunden und werden pantomimisch angedeutet.

Dieses Kennenlernspiel sollte natürlich nicht beliebig im Unterricht eingesetzt werden, sondern der jeweiligen Zielgruppe und Situation angepasst werden und der Ablauf gut begündet werden. (Manfred Schewe, 2009, Seminar-Handout)

Energizers
Wichtig zur spielerischen Einstimmung und zum Aufwärmen sind die sogenannten ‚Energizers’: Zu Beginn des Unterrichts bilden beispielsweise alle einen großen Kreis und rechtsherum sagt einer zum anderen der Reihe nach „ja“ und klatscht dabei gleichzeitig in die Hände. Wenn jemand aber „nein“ sagen will, geht es dann zurück (linksherum) im Kreis mit „nein“, bis jemand wieder „ja“ sagt und es dann wieder rechtsherum weitergeht. Diese Aufwärmübung wird dann progressiv schneller durchgeführt. Man kann auch noch das „doch“ einführen, indem man es dem Neinsager entgegensetzt und dieser dann übersprungen wird und es mit „ja“ oder „nein“ je nach Wunsch der Person weitergeht.

Eine weitere Energizer-Übung ist darauf abgezielt, den Spielraum für die Teilnehmer konkret festzulegen und die verschiedenen Energiestufen von 1 (sehr langsam) bis 10 (sehr schnell) im Raum zu erproben und dabei warm zu werden. Die Studenten werden außerdem aufgefordert, im Raum herum zu gehen, ohne jemanden anzustoßen. Der Lehrer gibt jeweils die Energiestufe vor und endet sie nach etwa 30 bis 45 Sekunden mit „einfrieren“. Varianten fürs Gehen sind: vorwärts gehen - einfrieren; rückwärts gehen – einfrieren; Bauch voran – einfrieren; Nase voran – einfrieren.


Darstellende Grammatikübung
Als Beispiel für eine darstellende Grammatikübung, die auflockert und den Konjunktiv übt, bietet sich Folgendes an: Die Kursteilnehmer stehen im Kreis. Der Lehrer oder die Lehrerin nimmt einen Pullover oder eine Jacke und reicht diese(n) mit der Bitte: „Würdest du das bitte weitergeben?“ an die/den Nächste/n im Kreis weiter. Die Studenten denken sich aus, was das sein könnte, was sie da bekommen und vervollständigen den Satz: „Du gibst mir das, als ob es ein(e) ......... wäre“ oder auch „Du gibst mir das, als wäre es .......“ Dabei sollten die Studenten ihre Aussage möglichst mit entsprechender Geste ausdrücken.


Improvisationsübungen Berliner Mauer

Besonders interessant ist auch die dramapädagogische Annäherung an das Thema „Berliner Mauer“. Durch eine spontane Improvisationsübung werden multikulturelle Gruppen (wie unsere Theater-Seminargruppe in Berlin) zuerst einmal auf die Mauer fokussiert, indem jede/r als Touristenführer/in der eigenen Muttersprache (Spanisch, Griechisch usw.) auf lebendige Weise kurz berichtet, was man über die Mauer wissen sollte.

Nach dieser Einführung überlegen sich die Teilnehmer eine Geste und Bewegung zum Thema Mauer und erproben diese im Raum. Anschließend wird dann die Mauer verkörpert, indem die Einzelnen mit ihren pantomimischen Bewegungen nacheinander ins Bild gehen und so eine Gruppenskulptur gestalten.

Nach diesem „symbolischen Zugang“ zum Thema Berliner Mauer müssen sich die Teilnehmer dann vorstellen, ein Mauerstein zu sein, der in den 28 Jahren zwischen 1961 bis 1989 viel gesehen hat. Man geht nacheinander ins Bild, wird zum Stein in der Mauer und berichtet aus dieser Perspektive über etwas, was der Stein gerade sieht. Vielleicht etwas aus dem Jahr 1961, 1969 oder 1989? Auf diese Weise entsteht ein zeitgeschichtliches Panorama.

Für Unterrichtsstunden und-einheiten dieser Art sollten natürlich Vorarbeiten zu historischen Fakten eingebaut werden und sprachliche Vorentlastung gegeben werden.
Als Erweiterung des Themas können literarische Textauszüge und Zeitungsberichte inszeniert und gespielt werden, die um das Mauergeschehen angesiedelt sind und die Begegnung Ost - West thematisieren.


Theaterspielen mit Lehrwerksmaterialien

1. Cartoon mit Gedankenblasen

 

Begleitend zu Lehrwerksmaterialien können A1-Lerner aus Studio D 1 aus dem Cartoon mit Gedankenblasen auf Seite 63, (Übung 3a) einen Text schreiben und mit 3 Personen vorspielen. Aufgabe ist es zunächst, die gelernten Strukturen in der Übung anzuschauen und dann gemeinsam in der Gruppe anhand der nachfolgenden Fragen eine Situation festzulegen:

Wer sind die Personen und in welcher Beziehung stehen sie zueinander?
Wo sind die Personen?
Was machen Sie?
Was ist das Problem?
Dann müssen die Gedankenblasen zu den Strukturen in Übung 3a ergänzt werden. Die Studenten lernen danach ihren Dialog auswendig und präsentieren ihn. Sie müssen sich dabei auch eine geeignete Gestaltungsweise überlegen, um den Kontrast zwischen gesprochenem Wort und Gedanken hervorzuheben. (Birgit Oelschläger, Seminar des Goethe-Instituts, Theater im Unterricht, Berlin, 2009)

2. Pressekonferenz/Rolleninterview durch szenische Interpretation

Der Zeitungsbericht aus dem Lehrbuch em Brückenkurs (S. 82) für Niveau B1-Lerner handelt von zwei jungen Männern, die im Juni 1990 Saalfeld in Thüringen verlassen haben, um „mal alles anzugucken“. Sie umrunden die Erde per Fahrrad und als sie nach Saalfeld zurückkehren, soll eine Pressekonferenz stattfinden, die die Studenten inszenieren und vorspielen werden. Die didaktischen Schritte sind:

1. Die Gruppe muss zuerst den Text lesen und sich dann entscheiden, wer die zwei Weltreisenden spielt und wer die Rollen der Journalisten auf der Pressekonferenz übernimmt.
2. Die Studenten bereiten getrennt eine simulierte Pressekonferenz vor, indem sich 2 Journalisten Interviewfragen notieren, die sie den beiden Radfahrern stellen möchten. Die beiden Weltreisenden bereiten sich mit Fragen auf dem Arbeitsblatt vor.
3. Die Gruppe improvisiert dann das Interview vor der Gesamtgruppe. (Birgit Oelschläger, Goethe-Theater Seminar Berlin, 2009)


Dies sind nur zwei Vorschläge, mit darstellendem Spiel realistisch-orientierte, spannende Ideen zu heutigen Lehrwerksmaterialien zu finden und diese aktiv von Studentengruppen bearbeiten zu lassen.

Seitdem ich dieses Seminar belegt habe, versuche ich, wo es möglich ist, drama-pädagogische Methodik je nach Rahmen des Unterrichts und Räumlichkeit anzuwenden. Bisher habe ich gute Erfahrung mit einer gespielten Fernseh-Talk Show gemacht, bei der jede Studentin und jeder Student in die Rolle eines Zeitzeugen der Wendegeneration schlüpfen konnte, basierend auf den biografischen Berichten in dem Buch „Gleich und Verschieden“. Neben Fakten wurden Ansichten, Wünsche und Emotionen im freien Sprechen geübt und landeskundlich-geschichtlichen Erfahrungen übermittelt.

Beim kleinen Konjunktivspiel gab es in der ersten Runde bei einigen keine kreativen Einfälle: „Du gibst mir das, als ob es etwas Schweres (oder etwas Leichtes) wäre“. Als es zur dritten Runde kam, waren die Teilnehmer sprachlich selbstsicherer geworden und Ideen wie „ein Schiff“, „eine Tafel Schokolade“ und „ein Baby“ kamen als Antwort.

Beim Durchnehmen der Brecht-Lektüre „Der gute Mensch von Sezuan“ sollten meine Studenten eine szenische Interpretation des zweiten Zwischenspiels mit dem Wasserträger Wang und den Göttern erstellen und dies danach vorspielen.
Zuerst wurden jedoch Wortschatzfragen geklärt, dann mussten die Studenten in Zweier-Gruppen den Konflikt herausarbeiten, dann die Handlung mit wenigen, eigenen Worten für 2 Figuren (Wang und den 1. Gott) inszenieren und den kurzen Text auswendig lernen. Es war interessant, dass eine Gruppe die Szene nicht nur nachgespielt, sondern auch weitergespielt hat, obwohl ich es nicht vorgeschlagen hatte. Das Weiterspielen ist neben dem Nachspielen eine erweiterte kreative dramen-orientierte Methode.

Das Cocktail-Party-Spiel kann ich auch gut als ‚ice-breaker‘ und Einführung ins Theaterspielen empfehlen. Zwar war es sicher ungewohnt für die Studenten, gleich zu Anfang so eine fiktive Cocktail-Party (ohne Getränke und Häppchen) zu haben, aber Spass hatten sie wohl dennoch bei dieser Sprachübung.

Teile des Berliner Theaterworkshops habe ich auch bei der ACTG-Tagung im Oktober vorgestellt und hoffe, dass manches davon im Unterricht oder am Sprachtag ausprobiert wird.
Wie diese Fotos zeigen, waren die TeilnehmerInnen der Tagung jedenfalls motiviert, theaterpädagogische Elemente selbst auszuprobieren.

 


Mit einem Rüstzeug theaterpädagogischer Methodik öffnet sich ein weites Feld für einen interessanten, aktiven, realitätsbezogenen Unterricht, der Studenten motiviert und bei dem das Lernen Spass macht.


Literaturhinweise

em Brückenkurs (2006) DDR, BRD, Welt, Hueber Verlag.
Moerike, Helga., Hamburger Margarete. (2001) Gleich und Verschieden – Lebensentwürfe aus Ost und West 1990 und die Realität 2000, Frieling und Partner, Berlin.
Oelschläger, Birgit (2004) Szenisches Spiel im Unterricht „Deutsch als Fremdsprache“, GFL-Journal 1, 24-37.
Schewe, Manfred (2000) DaF Stunden dramapädagogisch gestalten – wie mache ich das? Pädagogische Konzepte für einen ganzheitlichen DaF Unterricht. Berlin:Cornelsen, 72-105.
Studio D1 (2006) Eine Traumwohnung, S. 63, Cornelsen Verlag.